{"id":17,"date":"2006-01-15T18:06:02","date_gmt":"2006-01-15T17:06:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/?page_id=17"},"modified":"2006-01-23T18:18:56","modified_gmt":"2006-01-23T17:18:56","slug":"max-planck-und-nicht-die-wissenschaft-html","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/artikel\/max-planck-und-nicht-die-wissenschaft-html\/","title":{"rendered":"Max Planck und nicht die Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>Max Planck, dessen Namen die <a href=\"http:\/\/www.mpg.de\/portal\/index.html\">ehemalige Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft<\/a> tr\u00e4gt, seit die Alliierten Kaiser Wilhelm nicht mehr f\u00fcr die richtige Bezugsfigur im besiegten Deutschland hielten, hat schon 1914 einen &#8220;Aufruf an die Kulturwelt&#8221; unterzeichnet, in dem 93 Intellektuelle jegliche Mitschuld Deutschlands am ersten Weltkrieg leugnen, das deutsche Heer mit dem &#8220;deutschen Volk&#8221; gleichsetzen und Deutschland mit einer zutiefst rassistischen Argumentation verteidigen. In diesem Aufruf hei\u00dft es z.B.:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;1. Es ist nicht wahr, da\u00df Deutschland diesen Krieg verschuldet hat. Weder das deutsche Volk hat ihn gewollt, noch die Regierung, noch der Kaiser. Von deutscher Seite ist das \u00c4u\u00dferste geschehen, ihn abzuwenden. (&#8230;) Erst als eine schon lange an den Grenzen lauernde \u00dcbermacht von drei Seiten \u00fcber unser Volk herfiel, hat es sich erhoben wie ein Mann.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Sich als Verteidiger europ\u00e4ischer Zivilisation zu geb\u00e4rden haben die am wenigsten das Recht, die sich mit Russen und Serben verb\u00fcndeten und der Welt das schmachvolle Schauspiel bieten, Mongolen und Neger auf die wei\u00dfe Rasse zu hetzen.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;6. Es ist nicht wahr, da\u00df der Kampf gegen unseren so genannten Militarismus kein Kampf gegen unsere Kultur ist, wie unsere Feinde heuchlerisch vorgeben. Ohne den deutschen Militarismus w\u00e4re die deutsche Kultur vom Erdboden getilgt. Zu ihrem Schutz ist er aus ihr hervorgegangen in einem Lande das Jahrhunderte lang von Raubz\u00fcgen heimgesucht wurde wie kein zweites. Deutsches Heer und deutsches Volk sind eins.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Zwar hat Planck den Aufruf m\u00f6glicherweise unterzeichnet, ohne seinen genauen Wortlaut gekannt zu haben, aber er hat sich auch nur genau von diesem, bzw. der Formulierung, distanziert, die <i>\u201ezu unzutreffenden Vorstelllungen von der Gesinnung seiner Unterzeichner Anla\u00df&#8221;<\/i> g\u00e4be. Das geschah durch eine Erkl\u00e4rung, die er 1916 in den Niederlanden ver\u00f6ffentlichen lie\u00df, und in der es eben wieder hei\u00dft:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e&#8230; denn das deutsche Heer ist nichts anderes als das deutsche Volk in Waffen, und wie alle Berufsst\u00e4nde, so sind auch die deutschen Gelehrten und K\u00fcnstler unzertrennlich mit ihm verbunden.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch die Ansprachen, die er sp\u00e4ter (vor 1933), meist aus Anlass der Leibniztages, in der Akademie der Wissenschaften hielt, enthalten so manche \u00fcberaschende Wendung; nat\u00fcrlich ist immer wieder der eine oder andere Aspekt von Leibniz\u2019 Schaffen in diesen Reden Thema und meist versucht Planck Leibniz mit dem aktuellen Tagesgeschehen in Verbindung zu setzen. Wiederkehrendes Motiv ist Leibniz\u2019 \u201aWeltb\u00fcrgertum\u2019 &#8211; nicht ohne dass sofort darauf sein gl\u00fchender Patriotismus gew\u00fcrdigt w\u00fcrde, ganz so als m\u00fcsse man das Weltb\u00fcrgertum entschuldigen und versichern, dass damit alles seine deutsche Richtigkeit habe.<\/p>\n<p>Aus der Ansprache vom 1. Juli 1926 (Leibniztag): <\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Aber so gro\u00df und tiefgreifend sich seine Erfolge auf allen Gebieten der Wissenschaft erwiesen haben, seinen umfassenden Organisationspl\u00e4nen blieben sie zumeist versagt, und sie mu\u00dften es bleiben, nicht durch seine Schuld, sondern durch den inneren Zwang der Dinge. Denn die Geschichte der internationalen Wissenschaft hat immer aufs neue gezeigt, da\u00df die Wissenschaft, ebenso wie die Kunst und wie die Religion, zun\u00e4chst nur auf nationalem Boden recht gedeihen kann.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Seine durch und durch konservative Einstellung, inklusive aller v\u00f6lkischen Bez\u00fcge, die in Deutschland damit einher<del>gehen<\/del>gingen, schl\u00e4gt sich in diesen Reden ebenfalls nieder (aus der Ansprache vom 3. Juli 1919 (Leibniztag)): : <\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Der furchtbarste Krieg, den die Welt gesehen hat, ist beendigt, aber was tiefer brennt als alle seine Schrecknisse und Leiden, das ist die Schmach des uns von den Feinden aufgezwungenen Friedensschlusses. Wehrlos liegt Deutschland darnieder, blutend aus tausend Wunden und, was schlimmer ist, durchzuckt von inneren Fieberschauern, deren Hartn\u00e4ckigkeit die Aussicht auf eine dereinstige Gesundung beinahe auszuschlie\u00dfen scheint.&#8221;&#8230;&#8221;Es scheint gegenw\u00e4rtige in manchen Kreisen unseres Volkes leider ganz in Vergessenheit geraten zu sein, da\u00df man seine Arbeit auch um ihrer selbst Willen lieben kann, da\u00df die Arbeit unter normalen Umst\u00e4nden einen Quell der Befriedigung, des Trostes, des k\u00f6rperlichen und geistigen Wohlbefindens vorstellt.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieser Zug setzt sich auch in den Reden fort, die er nach 1933 hielt, auch wenn er dadurch doch teilweise an \u00fcberraschender Stelle im Gegensatz zum NS stand:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Denn jeder einzelne geh\u00f6rt zun\u00e4chst einer Gemeinschaft an, seiner Familie, seiner Sippe und seinem Volke, einer Gemeinschaft, der er sich ein- und unterordnen mu\u00df und von der er sich niemals ungestraft losl\u00f6sen kann. Daher ist auch jede Wissenschaft, ebenso wie jede Kunst und jede Religion, auf nationalem Boden erwachsen. Da\u00df man dies eine Zeitlang vergessen konnte, hat sich an unserem Volke bitter genug ger\u00e4cht.&#8221;&#8230; &#8220;Wie die Naturgesetze ehern und folgerichtig wirken, im Gro\u00dfen wie im Kleinen, so verlangt auch das Zusammenleben des Menschen gleiches Recht f\u00fcr alle, f\u00fcr Hoch und Niedrig, Vornehm und Gering. Wehe einem Gemeinwesen, wenn in ihm das Gef\u00fchl der Rechtssicherheit ins Schwanken kommt, wenn bei Rechtsstreitigkeiten die R\u00fccksicht auf Stellung und Herkunft eine Rolle spielt, wenn der Wehrlose sich nicht mehr von oben gesch\u00fctzt wei\u00df vor dem Zugriff des m\u00e4chtigeren Nachbars, wenn offenbare Rechtsbeugungen mit fadenscheinigen N\u00fctzlichkeitsgr\u00fcnden bem\u00e4ntelt werden. (&#8230;) In solcher Gesinnung ist Preu\u00dfen und Deutschland gro\u00df geworden. M\u00f6ge sie unserem Volke niemals verloren gehen! Ein jeder, der sein Vaterland liebt, hat die heilige Pflicht, an ihrer Erhaltung und Vertiefung mitzuarbeiten.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Als ein Widerstreit verschiedener Loyalit\u00e4ten zeigt sich dann auch seine Haltung zu Einsteins Austritt\/-getreten werden; Planck schrieb an Einstein: <\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Es sind hier zwei Weltanschauungen aufeinander geplatzt, die sich miteinander nicht vertragen. Ich habe weder f\u00fcr die eine noch die andere volles Verst\u00e4ndnis. Auch die Ihrige ist mir fern, wie Sie sich erinnern werden von unseren Gespr\u00e4chen \u00fcber die von ihnen propagierte Kriegsdienstverweigerung.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Planck soll davon durchdrungen gewesen sein, dass die Akademie-Mitglieder gegen\u00fcber der Regierung eine besondere Loyalit\u00e4tspflicht bes\u00e4\u00dfen; in de Akademie-Sitzung am 11. Mai 1933 sagte er, es sei <i>&#8220;tief zu bedauern, da\u00df Herr Einstein selber durch sein politisches Verhalten sein Verblieben in der Akademie unm\u00f6glich gemacht hat.&#8221;<\/i><\/p>\n<p>P.S. Ich behaupte nicht, dass diese Dinge irgendetwas \u00fcber den Wert der wissenschaftlichen Erkenntnisse Plancks aussagen. Ich bin mir auch dessen bewu\u00dft, dass sein pers\u00f6nliches Schicksal von au\u00dfergew\u00f6hnlicher H\u00e4rte war, und sein liebster Sohn hingerichtet wurde, weil er an einem Attentat auf Hitler beteiligt war.<\/p>\n<h5>Quellen:<br \/>\nDr. Hans Wehberg, Wider den Aufruf der 93!, 1920<br \/>\nMax Planck in seinen Akademie-Ansprachen, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1948<br \/>\nWege zur physikalischen Erkenntnis &#8211; Reden und Vortr\u00e4ge von Dr.Max Planck, Bd. 2 , 1943<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Max Planck, dessen Namen die ehemalige Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft tr\u00e4gt, seit die Alliierten Kaiser Wilhelm nicht mehr f\u00fcr die richtige Bezugsfigur im besiegten Deutschland hielten, hat schon 1914 einen &#8220;Aufruf an die Kulturwelt&#8221; unterzeichnet, in dem 93 Intellektuelle jegliche Mitschuld Deutschlands am ersten Weltkrieg leugnen, das deutsche Heer mit dem &#8220;deutschen Volk&#8221; gleichsetzen und Deutschland mit einer [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":22,"menu_order":2,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-17","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/17","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/17\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/22"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}