{"id":10,"date":"2006-01-05T01:32:33","date_gmt":"2006-01-05T00:32:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/?p=10"},"modified":"2006-08-13T16:38:20","modified_gmt":"2006-08-13T15:38:20","slug":"tiere-als-kunstgegenstande-und-industrie-ohne-menschen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2006\/01\/05\/tiere-als-kunstgegenstande-und-industrie-ohne-menschen\/","title":{"rendered":"Mustererkennung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.paulstarosta.com\/gallery.asp?photo_id=50269\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.paulstarosta.com\/display.asp?photo_id=50269&#038;size=1\" alt=\"Eine Echse\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.paulstarosta.com\/gallery.asp?photo_id=50263\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.paulstarosta.com\/display.asp?photo_id=50263&#038;size=1\" alt=\"Eine weitere Echse\" \/><\/a><br \/><a href=\"http:\/\/www.paulstarosta.com\/gallery.asp?gallery_id=1759&#038;\">Paul Sarostas &#8220;Reptiles&#8221;<\/a> ist ein Bildband mit den gro\u00dfartigsten Reptilienphotos, die mir bisher unter gekommen sind. Ich habe eine Schw\u00e4che f\u00fcr Bilder von Reptilien, Insekten und Fischen, eigentlich alle Nicht-S\u00e4ugetiere. Ich kann mich Stundenlang in Schuppenmustern verlieren, die merkw\u00fcrdigen Formen von Insektenk\u00f6rpern betrachten. Sarosta fotografiert Reptilien vor schwarzem Hintergrund, gut ausgeleuchtet, in Nahaufnahme, sehr pr\u00e4zise, und ich schwelge. Bis ich anfange, mich zu gruseln. Nat\u00fcrlich sind solche Aufnahmen nur in Innenr\u00e4umen m\u00f6glich, wo man die Tiere in schwarze K\u00e4sten setzt, maximal einen Stein oder einen Ast als Deko dazu tut, aber nichts, worunter sie sich tats\u00e4chlich verstecken k\u00f6nnen. Die Reptilien werden pr\u00e4sentiert wie Kunstgegenst\u00e4nde; der Glanz auf den Schuppen, den die starke Beleuchtung verursacht, erzeugt teilweise den Eindruck von Wachsfiguren. Ich bin nicht mehr in der Lage zu sagen, ob ich wirklich Lebewesen betrachte, oder nicht doch einfach Statuen, gute Modelliereungen. Die Schlange wird zum reinen Muster (\/zur Handtasche), die Reptilien zu abstrakten Formen, w\u00e4hrend sie doch eigentlich noch leben. <!--more--><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.paulstarosta.com\/gallery.asp?photo_id=50276\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.paulstarosta.com\/display.asp?photo_id=50276&#038;size=1\" alt=\"Schlangenhaut\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.paulstarosta.com\/gallery.asp?photo_id=50259\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.paulstarosta.com\/display.asp?photo_id=50259&#038;size=1\" alt=\"Gecko\" \/><\/a><br \/>\nDie Formen und Farben waren von Anfang an das, was mich an diesen Bildern interessiert hat, aber jetzt, im Angesicht dieser fast perfekten Umsetzung, ist mir gruselig. Leben findet sich eben nicht in der Struktur, sondern nur in Bewegung und ihren Spuren. So fremdartig Reptilien auch sein m\u00f6gen (und so wenig ich Vegetarierin oder &#8216;Tierbefreierin&#8217; bin), kann ich einen Rest Empathie doch nicht abschalten, und es wird mir unheimlich.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.designboom.com\/history\/becher\/1t.jpg\" alt=\"Eine von den Hoch\u00f6fen-Tafeln\" \/><br \/>\n\u00dcber die <a href=\"http:\/\/www.hamburgerbahnhof.de\/sonder\/05\/becher0805\/becher.html\">Ausstellung<\/a> von Bernd und Hille Becher im Hamburger Bahnhof schreibt <a href=\"http:\/\/myblog.de\/classless\/art\/2616806\">Classless<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Die Ausstellung &#8220;Typologien industrieller Bauten&#8221; mit den ultra-objektivierten Ornamentalfotografien von Bernd und Hilla Becher zeigt methodisch angeordnete F\u00f6rdert\u00fcrme, Hoch\u00f6fen, Silos und andere Anlagen, die gemeinhin der Vergangenheit, der Geschichte zugerechnet werden, weil sie in ihrer konkreten Form im Verschwinden begriffen sind. Ihre Funktion ist jedoch nur weiterentwickelt, ihre Bedienung nur angepa\u00dft und ihre obsz\u00f6ne Zumutung an die Menschen nur in andere L\u00e4nder ausgelagert worden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Meine Beobachtung w\u00e4hrend unseres Besuchs war eine andere; in einer der letzten N\u00e4chte bin ich (viel zu) lange in SF-online-Comics versunken, und mich erstaunte die \u00c4hnlichkeit mit diesen &#8220;im Verschwnden begriffenen&#8221; Bauten. Es ist als ob die Darstellung mehr oder weniger apokalyptischer Zukunftswelten sich an ihnen ein Vorbild genommen habe; Darstellungen l\u00e4ngst veralteter Technik funktionieren als Kennzeichen einer katastrophalen Zukunft. Classless sprach von der Industrialisierung<\/p>\n<blockquote><p>Die aus der \u00fcbersichtlichen Tyrannei der feudalen Landwirtschaft in die neuen Ballungsr\u00e4ume gewanderten Millionenmassen stiegen dort mehrheitlich in dunkle staubige Gruben, in denen viele von ihnen jung starben, oder sie verbrachten die meiste Zeit des Lebens in riesigen Ofenanlagen, die ihnen Hitze und Gifte entgegenwarfen. Der Wert verw\u00fcstete ihre Welt nunmehr umfassend und un\u00fcbersehbar, bescherte ihnen ein Leben im Niemandsland oder den Schrecken der unterirdischen Killing fields. <\/p><\/blockquote>\n<p>als dem immernoch wirkenden Katastrophen-Bild, hielt es f\u00fcr nahliegend, dass eine in die Zukunft projizierte Katastrophendarstellung sich dieser Bilder bedient. Ich bin immernoch erstaunt. <\/p>\n<p>(mehr Photos von den Bechers z.B. <a href=\"http:\/\/www.artnet.de\/Galleries\/Artists_detail.asp?G=&#038;gid=1158&#038;which=&#038;aid=2179&#038;ViewArtistBy=online&#038;rta=http:\/\/www.artnet.de\">hier<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paul Sarostas &#8220;Reptiles&#8221; ist ein Bildband mit den gro\u00dfartigsten Reptilienphotos, die mir bisher unter gekommen sind. Ich habe eine Schw\u00e4che f\u00fcr Bilder von Reptilien, Insekten und Fischen, eigentlich alle Nicht-S\u00e4ugetiere. Ich kann mich Stundenlang in Schuppenmustern verlieren, die merkw\u00fcrdigen Formen von Insektenk\u00f6rpern betrachten. 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