{"id":103,"date":"2006-09-08T01:09:43","date_gmt":"2006-09-07T23:09:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2006\/09\/08\/the-medium-is-the-mess-4\/"},"modified":"2006-09-08T01:20:08","modified_gmt":"2006-09-07T23:20:08","slug":"the-medium-is-the-mess-4","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2006\/09\/08\/the-medium-is-the-mess-4\/","title":{"rendered":"The Medium Is The Mess #4"},"content":{"rendered":"<p><strong>Diesmal: Die Diktatur der Angepassten. Zur Testcard#15, vierter Teil<\/strong><\/p>\n<p>Hatte ich bisher einige der Artikel aus verschiedenen Gr\u00fcnden schlicht als belanglos beurteilt, stellt sich mir bei diesen beiden Texten die Frage, wie das mit der <a href=\"http:\/\/testcard.de\/tc_testcard.html\">&#8216;linken Popkritik&#8217;<\/a> eigentlich \u00fcberhaupt gemeint ist. Anders ausgedr\u00fcckt: Was ist an diesen Texten &#8216;links&#8217;, und viel wichtiger: Was ist an ihnen &#8216;kritisch&#8217;? Auf jeden Fall ist das alles sehr pluralistisch:<\/p>\n<p>\n<strong>J\u00fcrgen Hofbauer \/ Christoph Marek:<\/strong> <em>Basics in Stereo &#8211; Wider eine Kultur des Vergessens<\/em><\/p>\n<p>Wenn man sich f\u00fcr den Popdiskurs der FAZ und \u00e4hnlicher Presseorgane interessiert, ist dieser Text sicher ungemein spannend: <\/p>\n<blockquote><p>Weshalb die Autoren dieses Essays f\u00fcr einen popkanon pl\u00e4dieren, \u00fcber Umwege f\u00fcr eine feine kleine Hierarchie, ebenso f\u00fcr eine Renaissance der gro\u00dfen Werke und W\u00fcrfe und dabei auch noch die SZ-Diskothek nicht ganz unsympathisch finden, erfahren Sie jetzt&#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es wird mit Formulierungen wie diesen hantiert: &#8220;Wiederkehr des Kanons [ist] auch das Comeback der Hierarchie&#8221;, die Ekstase, die sich im &#8220;<strong>Diktat des Durchschnitts<\/strong> ohnehin schon l\u00e4ngst verfl\u00fcchtigt&#8221; habe, man schl\u00e4gt sich mit der Frage &#8220;Was tun, was empfinden, wenn die SZ bereits auf dem Weg ist, uns einen v\u00e4terlichen Kanon anzuempfehlen [&#8230;]?&#8221; und zerlegt gen\u00fc\u00dflich den Mythos von der demokratischen Natur des Pop. Die Rechtfertigung des Kanons aus dem Vergn\u00fcgen, das es bereitet, gegen ihn aufzubegehren, wirkt fadenscheinig. Wirklich interessiert hat der Text von Anfang an nicht, aber so langsam erscheint er mir im schlimmsten Fall als langweilig verpackte reaktion\u00e4re Scheisse (Hierarchien sind sowieso \u00fcberall, also sollten wir sie auch gut finden, nach dem postfaschistischen und dem posttotalit\u00e4ren st\u00fcnde doch noch <strong>das postdemokratische Zeitalter<\/strong> aus etc. ), im besten stellt sich die Frage, wie Menschen sich blo\u00df so sehr langweilen k\u00f6nnen. Als ob die Gegenwart so dr\u00f6ge sei, dass man zum eigenen Am\u00fcsement unbedingt einen Kanon brauche, gegen den man anrennen kann, weil einem sonst nichts mehr einf\u00e4llt. <\/p>\n<p>\n<strong>J\u00f6rg-Uwe Nieland:<\/strong> <em>Und der letzte macht das Licht aus! Vom Anspruch und Scheitern sozialdemokratischer Popkulturpolitik<\/em><\/p>\n<p>Von der Thematik her nicht ganz so belanglos, ist das erstaunliche an dem Text vor allem, wie er es schafft, eben diesen Anspruch sozialdemokratischer Popkulturpolitik \u00fcberhaupt ernst zu nehmen. So habe die versuchte &#8220;Ann\u00e4herung zwischen Pop und Politik&#8221; w\u00e4hrend der Schr\u00f6der-Jahre, &#8220;letztlich Entt\u00e4uschungen und Missverst\u00e4ndnisse&#8221; hinterlassen. Ja tut einem das nicht im Herzen weh? Streckenweise liest es sich ein wenig wie Finanzberatersprech:<\/p>\n<blockquote><p>Durch die horizontale, vertikale, diagonale und konglomerate Konzentration erh\u00f6hen sich die Marktzutrittsbarrieren f\u00fcr neue Unternehmen und selbt f\u00fcr bestehende Unternehmen werden die Nischen enger. Arbeitsplatzverluste sowie die Homogenisierung von (musik-) journalistischen Arbeitsweisen sind bereits heute Realit\u00e4t.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und wenn ich gelernt habe, nicht nur horizontal, vertikal und diagonal, sondern auch noch konglomerat zu lesen, sehe ich vielleicht auch den Neuigkeitswert dieser Feststellung. Immerhin kommt die Erkenntnis durch, dass die beschriebenen marktwirtschaftlichen Ph\u00e4nomene (Kapitalkonzentration, &#8220;wenn der intermediale Wettbewerb eingeschr\u00e4nkt ist, dann nimmt die Kontrolle durch die Kr\u00e4fte des Marktes kontinuierlich ab&#8221; etc.) nicht nationalstaatlich bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen, was genau nat\u00fcrlich die sozialdemokratische Medienpolitik versucht habe. Aber wir sind schon wieder bei der Finanzberatung f\u00fcr gro\u00dfe: es sei vers\u00e4umt worden die &#8220;in der Politikwissenschaft prominent diskutierten Governance-Modelle [&#8230;] zu etablieren und somit eine Gegenmacht zu den transnationalen Konzernen aufzubauen&#8221;.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n ist wieder die Denunziation von <strong>VIVA als die &#8220;sozialdemokratische Antwort auf MTV&#8221;<\/strong> &#8211; nur ist sie wohl leider nicht als solche gemeint, wird doch schnell klar, dass die &#8220;Initiative f\u00fcr die bessere mediale Verbreitung von in Deutschland produzierter Rock- und Popmusik&#8221; hier h\u00f6chstens wegen mangelnder Effizienz kritisiert und sich der Bundesregierung mit ihrem Wunsch nach &#8220;einem breiten Dialog angesichts der offenkundigen Nivellierungstendenzen in den Musikangeboten des Rundfunks&#8221; mit dem Ziel, dass<\/p>\n<blockquote><p>die Beschr\u00e4nkung auf eine (=englische) Sprache aufgebrochen wird und dass es zu einer st\u00e4rkeren Pr\u00e4senz von neuen [=deutschen] Interpreten in den Medien komme.<\/p><\/blockquote>\n<p>angeschlossen wird. Sp\u00e4testestens hier sollte es dem werten Leser ein wenig schlecht werden. Es verwundert nun auch nicht mehr, dass der Vorschlag der <strong>Deutschquote<\/strong> verworfen wird, weil er halt nicht &#8220;tr\u00e4gt&#8221;. Zu guter letzt wird noch davor gewarnt, dass wir uns mit gro\u00dfen Schritten auf die &#8220;Diktatur der Angepassten&#8221; (Blumfeld) zubewegen w\u00fcrden, wenn Popkultur den Anspruch verliere, links zu sein (und die sozialdemokratische Popkulturpolitik daran eine Mitschuld habe).<\/p>\n<p>Dabei geh\u00f6rt der Text doch selbst schon l\u00e4ngst dazu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesmal: Die Diktatur der Angepassten. Zur Testcard#15, vierter Teil Hatte ich bisher einige der Artikel aus verschiedenen Gr\u00fcnden schlicht als belanglos beurteilt, stellt sich mir bei diesen beiden Texten die Frage, wie das mit der &#8216;linken Popkritik&#8217; eigentlich \u00fcberhaupt gemeint ist. 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