{"id":15,"date":"2006-01-12T00:38:23","date_gmt":"2006-01-11T23:38:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/?p=15"},"modified":"2006-01-12T14:17:58","modified_gmt":"2006-01-12T13:17:58","slug":"andreas-hartmann-is-killing-sound","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2006\/01\/12\/andreas-hartmann-is-killing-sound\/","title":{"rendered":"Andreas Hartmann is killing sound"},"content":{"rendered":"<p>In der aktuellen Ausgabe der Jungle World gibz auf Seite 3 in der Rubrik &#8220;Platte Buch&#8221; eine <a href=\"http:\/\/jungle-world.com\/seiten\/2006\/02\/6951.php\">Rezension<\/a> von The Bugs neuem (Single-Compilation-)Album &#8220;Killing Sound&#8221;. Wirklich deutlich macht die Besprechung vor allem, wie wenig Andreas Hartmann von dieser Musik verstanden hat. <\/p>\n<p>Hier die Details: <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><q>Die neue Public-Enemy-Platte bringt\u2019s ja gar nicht, da fehlen die Sirenen, der L\u00e4rm, das Schmerzende.<\/q><\/p>\n<p>Der Satz ist nicht falsch, nur schlecht. &#8216;Bringt&#8217; was denn bitte? Wer h\u00e4lt denn PE noch f\u00fcr einen Ma\u00dfstab in Sachen <em>L\u00e4rm<\/em>?<\/p>\n<blockquote><p>Das jedoch haben wir hier, auf dieser feinen Singles-Compila\u00adtion des Labels Razor X, das so klein zu sein scheint, dass es Zuflucht bei einem anderen kleinen Label, Rephlex, gesucht hat, um diese Werkschau \u00fcberhaupt einigerma\u00dfen angemessen pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen.Razor X ist der Ragga-Clash-Laden von Kevin Martin aka The Bug und The Rootsman, die sich beide seit Jahren redlichst darum bem\u00fchen, jamaikanische Soundsystemmusik auf gar keinen Fall mit Bob-Marley- und Sunshine-Reggae-Klischees in Ber\u00fchrung kommen zu lassen.<\/p><\/blockquote>\n<p>The Bug als die neuen Public Enemy. Aha. Ich verstehe nicht, warum die Gr\u00f6\u00dfe der Labels hier von Interesse ist, und warum Hartmann ausgerechnet von &#8216;Zuflucht suchen&#8217; spricht. &#8216;Ragga-Clash-Laden&#8217;? Hartmann steckt wohl der Electroclash noch so in den Knochen, dass ihm da mal kurz der Stift ausgerutscht ist. Und Kevin Martin und The Rootsman sind also ausgezogen, die jamaikanische Soundsystem-Musik von Reggae-Klischees fernzuhalten. Sie machen nicht zuf\u00e4llig in einem Umfeld, indem es eine sehr eigene und lebendige Soundsystem-Szene gibt (die mehrere verschiedene Musikstile hervorgebracht hat) Musik, die sich drastisch von allem unterscheidet, was gerade wirklich aus Jamaika kommt? Ich glaube nicht, dass Kevin Martins Ziel darin besteht, mit seiner Musik blo\u00df nicht die Vorurteile alter deutscher S\u00e4cke zu bedienen. Der Verweis auf <em>jamaikanische<\/em> Soundsystemmusik erscheint mir schon fast rassistisch wie die Sunshine-Reggae-Klischees, von denen Hartmann selbst schreibt.<\/p>\n<blockquote><p>Vor allem Martin, der von Schmerzensrock bis Free Jazz schon alles durch hat, womit man seine Eltern erschrecken kann, hat sich inzwischen einen Namen als echter Dancehall-Brutalo gemacht. Dancehall, so macht er immer wieder deutlich, sei letztlich die Form Kampfmusik, von der er eigentlich immer getr\u00e4umt hatte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und Hartmann w\u00fcnscht sich manchmal einfach mehr &#8216;echte Kerle&#8217;.<\/p>\n<blockquote><p>Auf Razor-X-Produktionen gibt es dann auch mehr Krach und \u00fcberbordende Energie, als ihn jede Punkband heute noch hinbekommen k\u00f6nnte. Unterschiedlichste MCs w\u00e4lzen sich in scheppernden Breakcore- und halbverdauten Dancehall-Beats, Jah der Allm\u00e4chtige und Hans S\u00f6llner sind da ganz sch\u00f6n weit weg.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn man unbedingt Vergleiche und Referenzen will, k\u00f6nnte man Jungle hinzuziehen, Raggacore, Dubstep, Londoner Piratenradios und wenn es sein muss Rave als eine der Wurzeln der Londoner Soundsystemkultur. Es ist nicht n\u00f6tig, eine auch in ihrer Form schon fragw\u00fcrdig absolute Aussage \u00fcber heutige Punkbands zu treffen. Woher will Herr Hartmann wissen, was jede Punkband heute vielleicht k\u00f6nnte? Ich glaube, er wollte uns mit jenem Satz aber irgendwas anderes sagen. Vielleicht dass fr\u00fcher alles besser war, als noch &#8216;jede Punkband&#8217; diese &#8216;\u00fcberbordende Energie&#8217; &#8216;hinbekommen&#8217; konnte?<br \/>\nDie &#8216;halbverdauten Dancehall-Beats&#8217; deuten darauf hin, dass Kevin Martin nicht wei\u00df, was er tut. Glaubt Herr Hartmann das wirklich von einem, &#8216;der schon alles durch hat&#8217;? Wenn er am Freitag tats\u00e4chlich ins KAPITAL gehen sollte, m\u00fcsste ihn schon allein Martins diabolisches Grinsen eines besseren belehren. Ich glaube allerdings nicht, dass er da sein wird, denn:<\/p>\n<blockquote><p>Auf die Dauer sind die permanenten Beatexplosionen und Krachkaskaden nat\u00fcrlich ziemlich anstrengend, Kevin Martin und seine Kollegen kennen da nichts: Tod durch \u00dcberforderung halten sie wahrscheinlich f\u00fcr einen sch\u00f6nen Tod. Doch als Alternative zu den oftmals einfach nur hingeschlampten neueren Breakcore-Platten und dem geschmacksfixierten Roots-Reggae-Reissue-Wesen ist dieser geballte Razor-X-Auswurf, der unter dem Titel \u00bbKilling Sound\u00ab geradezu programmatisch zusammengefasst wurde, absolut begr\u00fc\u00dfenswert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Bei diesem letzten Abschnitt fragte ich mich, ob Herr Hartmann Breakcore \u00fcberhaupt &#8216;kennen&#8217; w\u00fcrde, wenn nicht diesen Samstag in der K9 eine Breakcore-Jungle-World-Soliparty w\u00e4re. Dass er von Breakcore keine Ahnung hat bzw. sich zumindest nicht wirklich daf\u00fcr interessiert, macht die Bemerkung \u00fcber die &#8220;neueren Breakcore-Platten&#8221; nur \u00fcberdeutlich. Einerseits empfand ich 2005 als ein sehr \u00fcppiges Jahr f\u00fcr Breakcore-Alben (genannt seien z.B. Venetian Snares&#8217; <em>Rossz Csillag Alatt Sz\u00fcletett<\/em> und Scotch Eggs <em>KFC Core<\/em>, wer an einer l\u00e4ngeren Liste interessiert ist kann sich gerne bei mir melden), andererseits ist das eben auch kein Genre, in dem Alben \u00fcberhaupt so eine gro\u00dfe Rolle spielen. Abgesehen davon, dass es recht albern ist, Breakcore ausgerechnet &#8216;Hinschlampung&#8217; vorzuwerfen, als ob es um &#8216;Ordnung&#8217;, &#8216;Sauberkeit&#8217; oder dergleichen ginge, und nicht gerade das Hingerotzte an dieser Stelle vielmehr ein Feature w\u00e4re. All das w\u00fcsste Herr Hartmann auch, wenn er noch nicht lange genug &#8216;dabei w\u00e4re&#8217;,  um \u00e4ltere und &#8216;neuere Breakcore-Platten&#8217; vergleichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ach ja, und die Platte ist nat\u00fcrlich nicht einfach gute Musik oder so, sondern nur zwischen lauter anderem Mist &#8216;begr\u00fc\u00dfenswert&#8217;. Ich glaube, ich schreibe mir &#8216;Hinschlampung&#8217; noch irgendwann auf ein T-Shirt. <\/p>\n<p>P.S. Viel besser ist z.B. <a href=\"http:\/\/www.uncarved.org\/dub\/bug\/bug.html\">dieses Interview<\/a> mit Kevin Martin, und sogar die Antiimperialisten vom <em>Trust<\/em> Magazin haben es vor zwei Jahren schonmal geschafft ein unpeinliches Interview mit ihm zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der aktuellen Ausgabe der Jungle World gibz auf Seite 3 in der Rubrik &#8220;Platte Buch&#8221; eine Rezension von The Bugs neuem (Single-Compilation-)Album &#8220;Killing Sound&#8221;. Wirklich deutlich macht die Besprechung vor allem, wie wenig Andreas Hartmann von dieser Musik verstanden hat. 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