{"id":181,"date":"2007-01-23T22:09:50","date_gmt":"2007-01-23T20:09:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2007\/01\/23\/medientheorie-2\/"},"modified":"2007-01-24T22:52:29","modified_gmt":"2007-01-24T20:52:29","slug":"medientheorie-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2007\/01\/23\/medientheorie-2\/","title":{"rendered":"(keine) Medientheorie Nachschlag"},"content":{"rendered":"<p>Letztes Jahr geisterten noch ein paar Texte durch mein Blickfeld, denen man zumindest sowas wie einen medientheoretischen Anspruch unterstellen kann. Im Folgenden fasse ich sie zusammen, kommentiere daran rum und versuche herauszuarbeiten, warum die meisten hiesigen Versuche &#8216;die Medien&#8217; oder auch &#8216;die neuen Medien&#8217; oder &#8216;das Internet&#8217; zu begreifen so unbefriedigend sind. Die letzten drei Texte k\u00f6nnen als positive Gegenbeispiele zu dem dienen, was die deutsche gedruckte Intelligentzia so von sich gibt. Das ganze ist eine Fortspinnung meines <a href=\"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2007\/01\/07\/medientheorie-1\/\">letzten Postings<\/a> zur Testcard#15: &#8216;The Medium is the Mess&#8217;.<\/p>\n<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<h4>\u00dcberblick<\/h4>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2007\/01\/23\/medientheorie-2\/#lovink\"><strong>(Neue Gewerkschaften?) Geert Lovink: Zugriff verweigert<\/strong><\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2007\/01\/23\/medientheorie-2\/#betancourt\"><strong>(Neue Dinge) Michael Betancourt: The Aura of the Digital<\/strong><\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2007\/01\/23\/medientheorie-2\/#heller\"><strong>(Neue Ausbeutung) Christian Heller: Emanzipation und Ausbeutung kooperativer Massenkraft, von Marx bis zum Web 2.0 (pdf)<\/strong><\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2007\/01\/23\/medientheorie-2\/#poppers\"><strong>(Neue Haushaltsf\u00fchrung) Mary Poppers: Communist plot<\/strong><\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2007\/01\/23\/medientheorie-2\/#fazit\"><strong>Fazit (aus dem Ruder gelaufenes Intellektuellenbashing)<\/strong><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><!--more--><br \/>\n~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<h4 id=\"lovink\"><a href=\"http:\/\/www.jungle-world.com\/seiten\/2006\/36\/8465.php\">Geert Lovink: Zugriff verweigert &#8211; Web 2.0: Von wegen Glanz und Ruhm<\/a><\/h4>\n<p>Hier muss ich mir den <a href=\"http:\/\/laudanum.net\/geert\/biography.shtml\">medientheoretischen Anspruch<\/a> nicht herbeiphantasieren, allerdings finden sich in dem fraglichen Text nur &#8216;einige \u00bbstrenge Reflexionen\u00ab \u00fcber die gegenw\u00e4rtigen Internetdiskurse&#8217;<a href=\"#eins\"><i>1<\/i><\/a>, billiger Antiamerikanismus, und eine bestenfalls sozialdemokratische Analyse:<\/p>\n<blockquote><p>Mir geht es in diesem Zusammenhang darum, wie man das Loblied auf den Amateur in Frage stellen kann \u2013 aber nicht aus der Perspektive des bedrohten Establishments, sondern aus der Perspektive der kreativen (Unter-)Klasse, der virtuellen Intelligenzija, des Prekariats, der Multitude, der neuen Medienarbeiter, die ihre soziale Stellung professionalisieren wollen. Was wir brauchen, sind \u00f6konomische Modelle, die ambitionierten Amateuren dabei helfen, von ihrer Arbeit zu leben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Schlussfolgerung mag noch nichteinmal falsch sein, naiv ist sie allemal, und insgesamt entspricht das eher einem Versuch, die Situation der <strong>geistigen Arbeit<\/strong> unter gegenw\u00e4rtigen Produktionsbedingungen im Sinne einer potentiellen Vergewerkschaftung zu interpretieren, als einer Verbreitung neuer Erkenntnisse \u00fcber &#8216;das Wesen und die Wirkungsweise von Einzelmedien oder der Medien generell&#8217;.<\/p>\n<h4 id=\"betancourt\"><a href=\"http:\/\/www.ctheory.net\/articles.aspx?id=519\">Michael Betancourt: The Aura of the Digital<\/a><\/h4>\n<p>Betancourt verk\u00fcndet einige sehr merkw\u00fcrdige Ansichten dar\u00fcber, was <strong>Benjamin<\/strong> angeblich geschrieben habe, und macht es sich leicht, diese angeblichen Thesen zu verwerfen, indem er schlicht erkl\u00e4rt, eine Darstellung des verworfenen w\u00fcrde zuviel Platz beanspruchen. Wenn man &#8216;Aura&#8217; mal kurz umdefiniert, kann man auch schreiben: <\/p>\n<blockquote><p>What Abbing suggests is that &#8220;aura&#8221; is not as Benjamin proposed it, but is instead a function of the reproductive process itself.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Text ergibt mehr Sinn, wenn man den Teil, der sich an Benjamin abarbeitet schlicht \u00fcberspringt, und die vorgestellten Thesen f\u00fcr sich liest. Dabei fallen einige bemerkenswerte Erkenntnisse ab, so z.B. dass es der gegenw\u00e4rtigen Sprache an Begriffen fehlt, um die Beziehung zwischen verschiedenen Instanzen eines digitalen Objektes zu beschreiben. &#8216;Original&#8217; und &#8216;Kopie&#8217; verschleiern den Sachverhalt eher. Er beschreibt die <strong>Eigenarten digitaler Objekte<\/strong> (dO) &#8211; ihre Unver\u00e4nderlichkeit in der Zeit bzw. ihre Unabh\u00e4ngigkeit von einem bestimmten physischen Tr\u00e4ger, der im Laufe der Zeit verfallen w\u00fcrde, als auch der Umstand, dass Kopier- bzw. Vervielf\u00e4ltigungsvorg\u00e4nge nicht zu einem Qualit\u00e4tsverlust von &#8216;Original&#8217; oder &#8216;Kopie&#8217; gegen\u00fcber dem &#8216;Original&#8217; f\u00fchren &#8211; durch die das Konzept des &#8216;Originals&#8217; hier seine G\u00fcltigkeit verliert. <\/p>\n<p>Ausgehend von der Unterscheidung der physischen und symbolischen Aspekte von &#8216;Aura&#8217;, deren Ursprung er eng verbunden mit der Erfindung des Tauschwerts\/Geldes sieht, schreibt Betancourt \u00fcber dO:<\/p>\n<blockquote><p>The encounter with a digital object remains a material engagement, but one where the material is separate from the digital work, serving as a presentation of the work<\/p><\/blockquote>\n<p>Daraus folge eine spezifische <strong>&#8216;Aura der Information&#8217;<\/strong>, der die Illusion zugrunde liege, dass das &#8216;Digitale&#8217; selbst das Physische tranzendiere. Diese Eigenschaften dO &#8211; also die potentielle &#8216;Unsterblichkeit&#8217;, unendliche Reproduzierbarkeit, und Anspruch auf die &#8216;aura of information&#8217; &#8211; produzierten notwendig Speicher- und Managementprobleme. Was schlie\u00dflich ein neues Licht auf DRM und andere <strong>Kontrollsysteme und Rechtsfragen<\/strong> wirft: Diese selben Eigenschaften f\u00fchrten zur Kontingenz sowohl des Rechtes auf ein dO zuzugreifen als auch der &#8216;technologischen Basis digitaler (Re)Produktion&#8217;. Denn: <\/p>\n<blockquote><p>The impact of the digital work&#8217;s particular form of &#8220;uniqueness&#8221; on intellectual property reveals itself as the issue of access to the work: the right to read, rather than to own a copy. Possession and access are separated from one another. <\/p><\/blockquote>\n<p>Das neue Gesch\u00e4ftsmodell f\u00fcr geistiges Eigentum \u00e4hnele eher der Idee einer Bank\/finanzieller Dienstleistungen: Nur autorisierte Personen k\u00f6nnten hier ihre Gesch\u00e4fte abwickeln, und um zu diesen Personen zu geh\u00f6ren, m\u00fcsse man sein Geld auch in dieser Bank investieren. In jedem Fall sei der Zugang der Kunden zu was auch immer, was sie tun k\u00f6nnen, und was es sie kostet, von der Bank bestimmt. Im wesentlichen eine etwas umst\u00e4ndlichere Beschreibung des Sachverhalts, den Mathias Schindlers <a href=\"http:\/\/209.85.135.104\/search?q=cache:eU_792kyhkoJ:mathiasschindler.de\/2005\/10\/03\/nutzungsbestimmungen-eines-buches\/\">Nutzungsbestimmungen eines Buches<\/a> schon so treffend illustriert haben.<\/p>\n<p>Digitale Dinge sind anders.<\/p>\n<h4 id=\"heller\"><a href=\"http:\/\/www.plomlompom.de\/MarxOpenSourceLongTail.pdf\">Christian Heller: Emanzipation und Ausbeutung kooperativer Massenkraft, von Marx bis zum Web 2.0 (pdf)<\/a><\/h4>\n<p>Ausgehend von Fragen nach dem Charakter der seit dem sp\u00e4ten 20. Jahrhundert technisch m\u00f6glichen neuen Formen gesellschaftlichen Arbeitens und einem R\u00fcckbezug auf Marx beschreibt Heller die Bedeutung des Geistigen Eigentums f\u00fcr eine <strong>&#8216;Informationsgesellschaft&#8217;<\/strong> als M\u00f6glichkeit der Verwertung von Ideen\/nicht mehr im engeren Sinne materiellen G\u00fctern. Sei ehedem der Privatbesitz von Maschinen und Rohstoffen f\u00fcr den Kapitalisten kennzeichnend gewesen, so scheine analog in der &#8216;Informationsgesellschaft&#8217; der &#8216;Privatbesitz von kreativer und wissenschaftlicher Infrastruktur feststellbar&#8217;. In der Open-Source- und Free-Software-Bewegung lie\u00dfe sich nun eine Vergesellschaftung genau dieser Mittel der geistigen Produktion sehen. Er geht auf <strong>Richard Stallman<\/strong> ein, der im Grunde die Enteignung in Privatbesitz eines zuerst noch von allen in h\u00f6chster Produkivit\u00e4t und zum gesellschaftlichen Wohl bewirtschafteten Gemeingutes, in diesem Fall Programmcode, beklage, und beschreibt das Modell der <strong>GPL<\/strong>, das die <strong>k\u00fcnstliche Knappheit des Geistigen Eigentums<\/strong> behebe und versuche, dies den &#8216;Software-Kapitalisten&#8217; durch die Ersetzung ihres Gesch\u00e4fts mit Information als Ware durch das der Dienstleistung als Ware schmackhaft zu machen. Ganz so illusorisch, wie das im ersten Moment klingen mag, ist es nicht, darauf deutet schon allein die Beteiligung gro\u00dfer Firmen an der Entwicklung von OS-Produkten hin:<\/p>\n<blockquote><p>Tats\u00e4chlich bringt das OpenSourceEntwicklungsprinzip, ebenso wie die vergesellschaftete Arbeit bei Marx, Produktivit\u00e4tsvorteile mit sich, die sein weiteres UmsichGreifen mindestens im Bereich der SoftwareEntwicklung wahrscheinlich machen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Er beleuchtet die Wiederauferstehung von Adam Smith&#8217; Vorstellung der <strong>unsichtbaren Hand<\/strong> des Marktes, die alles zum Besten regele, in den Vorstellungen \u00fcber die massenhafte freie Kooperation im OS-Bereich am Beispiel Eric S. Raymonds, und am Beispiel Chris Andersons den Glauben, durch das Internet seien wir in eine <strong>Long-Tail-\u00d6konomie<\/strong> eingetreten, in der jede\/r an jede\/n alles verkaufen k\u00f6nne, und jede\/r eine Nische f\u00fcr die Verwertung dessen finden k\u00f6nne, was er\/sie sowieso machen wolle. Das, was letzten Endes wirklich verwertbar bleibe, wenn geistige Arbeit durch die Aufhebung der k\u00fcnstlichen Verknappung und die massenhafte Beteiligung von Amateuren einem gravierenden Preisverfall unterliege, seien:<\/p>\n<blockquote><p>Aufmerksamkeit und Reputation, aber auch vertrauliche pers\u00f6nliche Daten, beides zur Vermarktung von Waren, die letztlich zwangsl\u00e4ufig zur\u00fcckverweisen auf eine Welt nat\u00fcrlicher Knappheit au\u00dferhalb der digitalen Sph\u00e4re.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es scheine jedoch ein Konflikt m\u00f6glich zwischen der auf Geistigem Eigentum basierenden \u00e4u\u00dferen kapitalistischen Form, und den &#8220;von ihr verwerteten Produktivkr\u00e4fte, die auf der gerade solches ignorierenden kooperativen Arbeit von Internetnutzermassen basieren.&#8221; Und:<\/p>\n<blockquote><p>\nDoch au\u00dferhalb der digitalen Sph\u00e4re existiert nach wie vor eine kapitalistische Gesellschaftsform, die lebensnotwendige materielle Waren in Knappheit vorh\u00e4lt und nur gegen Geldmengen heraus gibt, die bisher kaum jemand durch einfaches Tunwasichwill in Andersons LongTailInternet erreichen d\u00fcrfte.\n<\/p><\/blockquote>\n<h4 id=\"poppers\"><a href=\"http:\/\/www.crisco-connection.com\/?p=9\">Mary Poppers: Communist plot<\/a><\/h4>\n<p>Mary Poppers erfreut sich lieber an der Hoffnung auf die Realisierung der Universalmaschine als Haushaltsware:<\/p>\n<blockquote><p>Nebenbei beweist sich dann vielleicht noch im Nichtmehrdiehandumdrehen das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate, denn wenn keiner mehr arbeitet, also fixes Kapital das Variable vollkommen verdr\u00e4ngt hat, dann ist\u00b4s Essig mit der Akkumulation. Es sei denn, das gerade von diversen Unternehmen noch fester gezurrte geistige Eigentum antizipiert die Entstehung einer neuen Produktionsweise, welche die Ware ihrer materiellen Gestalt entkleidet. Verkauft werden dann nicht mehr Autos, sondern das kopiergesch\u00fctzte CAD-Modell eines Autos \u00fcbers Internet. Die Auto-Cracker w\u00fcrden nicht lange auf sich warten lassen und zeitgen\u00f6ssische anti-piracy spots mit dem claim You wouldn\u00b4t steal a car. Movie piracy is stealing. als kulturhistorische Artefakte einer vergangenen Epoche bel\u00e4chelt werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine Vorschau dazu ist gerade schon zu beobachten: <a href=\"http:\/\/www.freedom-to-tinker.com\/?p=1088\">Freedom to Tinker: CopyBot Roils SecondLife Economy<\/a><\/p>\n<h3 id=\"fazit\">Fazit<\/h3>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/lunique.org\/2005\/10\/30\/hack-the-nation\/\">Abwesenheit von Neugier<\/a> auf <a href=\"http:\/\/www.crisco-connection.com\/?p=265\">die M\u00f6glichkeiten<\/a> von Technologien (also die Abwesenheit des spielerischen Umgangs mit ihnen als auch der begr\u00fcndeten Paranoia im Gegensatz zu allgemeiner Technikfeindlichkeit) sorgt daf\u00fcr, dass neue (und alte) Technologien nicht wirklich begriffen werden. Das sofortige <a href=\"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2007\/01\/07\/medientheorie-1\/\">St\u00fcrzen auf die Inhalte<\/a> funktioniert als eine Umgehung der Analyse der nichtbegriffenen M\u00f6glichkeiten. Da <strong>die hiesigen Wortarbeiter<\/strong> diese M\u00f6glichkeiten nicht begreifen, verstehen sie auch die gegenw\u00e4rtigen Konflikte um geistiges Eigentum, Datenschutz und Kontrolltechnologien nicht, k\u00f6nnen zuk\u00fcnftige Entwicklungen nicht einsch\u00e4tzen, und sowas wie wirkliche <strong>Kritik f\u00e4llt aus<\/strong>. Ohne den \u00dcberfluss zu sehen, den die praktisch verlustfreie Reproduktion &#8216;digitaler Objekte&#8217; m\u00f6glich macht, kann man die tobenden <strong>Verteilungsk\u00e4mpfe<\/strong> &#8211; von <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/84013\">DRM <\/a>bis zur Versch\u00e4rfung des Urheberrechts &#8211; nicht als solche erkennen. Wenn es aber keiner merkt, dann k\u00e4mpft auch keiner. Als Ergebnis k\u00f6nnte sich eine Situation ergeben, in der mit Hilfe juristischer Mittel daf\u00fcr gesorgt wird, dass die Vermarktung und Nutzung digitaler Objekte von den selben Knappheitserscheinungen gepr\u00e4gt wird wie die herk\u00f6mmlicher Dinge, nur dass diese Knappheit mit einem sehr gro\u00dfen Aufwand hergestellt und aufrecht erhalten werden muss. Die allgemeinen Probleme der Zugangsregelung und des &#8216;Information Management&#8217;, wie Betancourt sie skizziert hat, werden schlagartig sehr konkret, wenn man sie auf aktuelle Entwicklungen in \u00dcberwachung und Datenschutz anwendet. Aber auch hier gilt: <a href=\"http:\/\/www.jungle-world.com\/seiten\/2005\/27\/5810.php\">Wenn sich keiner<\/a> <a href=\"http:\/\/www.jungle-world.com\/seiten\/2005\/27\/5809.php\">daf\u00fcr interessiert<\/a>, wer eigentlich was \u00fcber ihn wei\u00df, wissen kann und wissen darf, und was man mit diesem Wissen anstellen kann, bleibt von &#8216;Privatsph\u00e4re&#8217; eben nicht viel \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Das Desinteresse gegen\u00fcber den M\u00f6glichkeiten und Gefahren einer neuen Technologie hat schon einmal (mindestens) dazu gef\u00fchrt, dass die Menschen dieses Landes Verh\u00e4ngnisvolles haben geschehen lassen: Als das Radio eingef\u00fchrt wurde, wurden nicht nur Radio-Amateure de facto illegalisiert (<strong>die Eliminierung einer M\u00f6glichkeit<\/strong>), sondern das Reichspostministerium konnte auch durchsetzen, dass nicht nur das Senden, sondern auch das Radio-H\u00f6ren genehmigungspflichtig wurde und die Sendungen einer gr\u00fcndlichen Zensur unterlagen (<strong>Disziplinierung durch Kontrolle<\/strong>). Auch f\u00fcr diese juristische Beschneidung technischer M\u00f6glichkeiten, verbunden mit einer durchgreifenden Kontrolle der Nutzung, hat sich niemand interessiert. Damals haben es diese Regelungen Goebbels sehr leicht gemacht, das Radio zu \u00fcbernehmen und als Propagandainstrument gleich zu schalten. Heute geht es nicht in erster Linie darum, ob irgendwelche Demagogen (oder <a href=\"http:\/\/fukami.vakuum.net\/archives\/2007\/01\/22\/warum-bestimmte-regularien-und-politiker-gefahrlicher-als-bombenlegende-hacker-sind\/\">ehrenwerten Gesch\u00e4ftsm\u00e4nner<\/a>) diese Verh\u00e4ltnisse ausnutzen k\u00f6nnen, sondern darum, wie wir in den kommenden Jahrzehnten <a href=\"http:\/\/www.jungle-world.com\/seiten\/2005\/32\/6070.php\">leben<\/a> werden. Eigentlich <strong>kein &#8216;special interest&#8217;<\/strong>.<\/p>\n<p>P.S. Ein Medium ist erstmal nur etwas <em>zwischen<\/em> anderen Dingen, und ansonsten ein derma\u00dfen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Medium\">unbestimmter Begriff<\/a>, dass man ihn schlicht so weit m\u00f6glich meiden sollte, will man sich nicht in Belanglosigkeiten verlieren.<\/p>\n<p>P.P.S. Nat\u00fcrlich verallgemeinere ich hier ganz sch\u00f6n rum und es gibt auch in Deutschland <a href=\"http:\/\/www.ccc.de\/\">Datenschutz-<\/a> und <a href=\"http:\/\/netzpolitik.org\/\">Urheberrechtsaktivisten<\/a>. Sie sind nur ausgesprochen marginal und geh\u00f6ren in der Regel einer technisch gepr\u00e4gten Subkultur an. Der Anschiss geht an die Intellektuellen.<\/p>\n<p>P.P.P.S. Ein Medium ist erstmal nur etwas zwischen anderen Dingen, und ansonsten ein derma\u00dfen unbestimmter Begriff, dass man ihn schlicht so weit m\u00f6glich meiden sollte, will man sich nicht in Belanglosigkeiten verlieren. <\/p>\n<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<ol class=\"footnotes\">\n<li id=\"eins\">Lauter Gespenster \u00fcberall.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letztes Jahr geisterten noch ein paar Texte durch mein Blickfeld, denen man zumindest sowas wie einen medientheoretischen Anspruch unterstellen kann. Im Folgenden fasse ich sie zusammen, kommentiere daran rum und versuche herauszuarbeiten, warum die meisten hiesigen Versuche &#8216;die Medien&#8217; oder auch &#8216;die neuen Medien&#8217; oder &#8216;das Internet&#8217; zu begreifen so unbefriedigend sind. 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