{"id":198,"date":"2007-02-16T19:33:56","date_gmt":"2007-02-16T17:33:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2007\/02\/16\/keine-subversion-in-der-k9\/"},"modified":"2007-02-18T12:20:08","modified_gmt":"2007-02-18T10:20:08","slug":"keine-subversion-in-der-k9","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2007\/02\/16\/keine-subversion-in-der-k9\/","title":{"rendered":"(Keine) Subversion in der K9"},"content":{"rendered":"<p>Im Gegensatz zu <a href=\"http:\/\/www.classless.org\/2007\/02\/16\/breakcore-spacken-theorie\/\">Classless<\/a> war ich durchaus \u00fcberrascht davon, wie sehr sich einige Menschen von unseren Vortr\u00e4gen pers\u00f6nlich angegriffen f\u00fchlten, es zeigt aber wohl auch, dass sie es wirklich h\u00f6ren sollten; kein &#8216;preaching to the converted&#8217;. Daf\u00fcr kam die <a href=\"http:\/\/unkultur.olifani.de\/?p=43\">anschlie\u00dfende Diskussion<\/a> kaum \u00fcber den Urschleim hinaus: Ich hatte nicht erwartet, erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen, dass auch Dinge, die &#8216;umsonst&#8217; sind, deshalb nicht weniger der Verwertungslogik unterworfen sein m\u00fcssen (myspace), und dass Klang erst in dem Moment zu Musik wird, wenn ein Mensch hin h\u00f6rt. <\/p>\n<p>Meine These war, dass einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr die Assoziation von tanzmusik-zentrierten Jugendkulturen mit &#8216;Subversion&#8217; darin liegt, dass einerseits Menschen beim Tanzen (manchmal) in Trancen fallen, die sich in dem Gef\u00fchl \u00e4u\u00dfern, die Zw\u00e4nge, denen Mensch sonst unterlegen ist, vergessen zu k\u00f6nnen, ihnen zu entkommen, sich &#8216;frei&#8217; zu f\u00fchlen, eine Erfahrung, die in Zeiten vor allem restriktiver Sexualmoral diese durchaus untergraben kann. <!--more-->Und andererseits darin, dass Tanz oft in einem gesellschaftlichen Rahmen statt fand, der (veraltete) Klassengrenzen offensichtlich durchbrach, so etwa, wenn B\u00fcrgerliche und Adlige zusammen in \u00f6ffentlichen Ballh\u00e4usern Walzer tanzten. <\/p>\n<p>Ich habe versucht, mit Hilfe einiger Zitate zu zeigen, wie ersteres, also die Verwechlsung von Dingen, die sich wie Befreiung anf\u00fchlen, mit tats\u00e4chlicher Befreiung, sich in den 60er\/70er Jahren zu einer schon fast automatischen Assoziation verh\u00e4rtete &#8211; und deutlich zu machen, dass genau dieses tats\u00e4chlich irgendwann vorhandene &#8216;subversive&#8217; Potential von Tanz in Zeiten der &#8216;repressiven Toleranz&#8217; eben eher egal ist. <\/p>\n<p>Wann wo wie vollst\u00e4ndige Mitschnitte zu haben sein werden ist mir gerade noch nicht klar, aber die lustigeren der Zitate will ich euch nicht vorenthalten:<\/p>\n<p><cite><a href=\"http:\/\/www2.hu-berlin.de\/fpm\/texte\/dimmyth.htm\">Peter Wicke, &#8216;Popmusik \u2014 Konsumfetischismus oder Kulturelles Widerstandspotential?&#8217;, 1995<\/a><\/cite>:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWohl kaum eine andere Frage hat vor allem akademisch gestimmte Gem\u00fcter in Sachen Popmusik \u00e4hnlich heftig bewegt wie diejenige nach den gesellschaftlichen Wirkungen dieser Musik, nach ihrem Zusammenhang mit gesellschaftlichen Machtverh\u00e4ltnissen und sozialen Normen. Schon Adorno ahnte an diesem Punkt nichts als Ungemach [&#8230;].<\/p>\n<p>Den anderen Pol des Spektrums haben die in die Jahre und dabei zu akademischen W\u00fcrden gekommenen Altfans aus den glorreichen Tagen der amerikanischen Westcoast-Musik, der Flower-Power- und Hippie-Bewegung besetzt. Einst ausgezogen, um mit der Gitarre in der Hand die Welt zu ver\u00e4ndern, sind sie, sofern dabei nicht zu Million\u00e4ren geworden, die Tr\u00e4ger eines theoretisch ambitionierten Diskurses, die bereits beim leisesten Vorverdacht auf\u00bbJugendkultur\u00ab ein Widerstandspotential zu feiern beginnen, das noch aus jeder Geste abweichenden Konsumverhaltens eine\u00bbSubkultur\u00ab, aus der flei\u00dfig f\u00fcr \u00fcberteuerte Produkte l\u00f6hnenden Teilnahme am Musikmarkt\u00bbresistance through rituals\u00ab werden l\u00e4\u00dft.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Wicke in <cite>&#8216;Rockmusik&#8217;, Reclam Leipzig 1987<\/cite>:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Rockmusik als in Klang gesetzter Pulsschlag der Gegenwart, als geb\u00fcndelte Energie, die K\u00f6rper und Nerven an tr\u00e4gen Feierabenden in Hochspannung versetzt und zum Vibrieren bringt, als Kraftzentrum einer rasenden Hingabe an die Freizeit und als zentrales Moment der Organisation sinnlicher Erfahrung, die den begrenzten Erlebnisraum von Schule, Arbeit und allabendlicher Fernsehh\u00e4uslichkeit durchbrach &#8211; das sind die Schl\u00fcsselpunkte im Musikgebrauch der Mods.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>[\u00fcber Rock in den 1970ern] &#8220;Der Protestcharakter, der damit im musikalischen Erscheinungsbild des Rock gesehen wurde, suspendierte ihn von einer klaren politischen Stellungnahme in seinen Texten. Die Kraft dieser Musik lag in ihrer sinnlichen Wirksamkeit.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p><cite>Ted Friedman, <a href=\"http:\/\/music.eserver.org\/text\/Friedman-Making.it.Funky.html\">Making it Funky<\/a><\/cite>:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Free your mind, and your ass will follow.&#8221;<br \/>\n-Funkadelic, from the song and album of the same name<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>In the years that followed, music critics have more often than not misappropriated the slogan as &#8220;free your ass and your mind will follow.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Gabriele Klein, Electronic Vibration, 1999, \u00fcber die Wahrnehmung von Techno durch deutsch Altlinke:<\/p>\n<blockquote><p>Techno, so lie\u00dfe sich diese Lesart \u00fcberspitzt zusammenfassen, ist die Marschmusik der postindustriellen Gesellschaft; ihr Beat zerschl\u00e4gt die Hirne, terrorisiert die K\u00f6rper und f\u00f6rdert mitunter auch faschistoide Tendenzen.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Gegensatz zu Classless war ich durchaus \u00fcberrascht davon, wie sehr sich einige Menschen von unseren Vortr\u00e4gen pers\u00f6nlich angegriffen f\u00fchlten, es zeigt aber wohl auch, dass sie es wirklich h\u00f6ren sollten; kein &#8216;preaching to the converted&#8217;. 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