{"id":48,"date":"2006-05-03T14:33:55","date_gmt":"2006-05-03T13:33:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2006\/04\/07\/kulturindustrie-1-marcuse-und-das-entspannen-in-deutschland\/"},"modified":"2006-05-03T21:47:53","modified_gmt":"2006-05-03T20:47:53","slug":"kulturindustrie-1-marcuse-und-das-entspannen-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2006\/05\/03\/kulturindustrie-1-marcuse-und-das-entspannen-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Kulturindustrie 1: Musik von anderen Planeten und das Entspannen in Deutschland"},"content":{"rendered":"<h3>\u00dcber &#8216;I Can&#8217;t Relax In Deutschland&#8217; und eine Rede von Herbert Marcuse<\/h3>\n<p><strong>Marcuse<\/strong> schreibt in dem als <em>&#8216;Musik von anderen Planeten&#8217;<\/em> ver\u00f6ffentlichten Skript einer Rede vor Absolventen des New England Conservatory of Music von 1968 \u00fcber die Rolle und spezifischen Eigenschaften von Musik als Kunst, \u00fcber den Klassencharakter der klassischen und die Besonderheiten der &#8220;schwarzen Musik&#8221;. Der Text ist eine Ansprache an ein sehr spezifisches Publikum und versucht weniger eine Analyse, als den Adressaten eine bestimmte Botschaft zu \u00fcbermitteln und sie dazu aufzufordern, in dem ausgebreiteten Spannungsfeld Position zu beziehen. Warum man ausgerechnet diesen Text zu Rate ziehen w\u00fcrde, um die &#8216;popkulturelle&#8217; oder sonstige Funktion von Musik in Deutschland und anderswo zu verstehen, geht mir gerade nicht auf. Aber erstmal die Einzelheiten:<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Der <em>Einleitungstext<\/em> zum Sampler vom <strong><a href=\"http:\/\/icantrelaxin.de\/index.html\">&#8216;Vorbereitungskreis&#8217;<\/a><\/strong> ist eine nette, den Umst\u00e4nden entsprechend kurze und gut verst\u00e4ndliche Einf\u00fchrung in die Frage, warum Deutschland scheisse ist und man sich hier erst recht nicht entspannen sollte, wenn \u00fcber ein angeblich notwendiges oder sonstwie anstehendes Zur\u00fcck zu einer unbelasteten nationalen Normalit\u00e4t rhabarbert wird, und analysiert vor diesem Hintergrund die aktuellen Bem\u00fchungen &#8216;authentischer&#8217; &#8216;deutscher&#8217; Popmusik durch Deutschquoten und \u00e4hnliches den R\u00fccken zu st\u00e4rken:<\/p>\n<blockquote><p>Von Yvonne Catterfield, Smudo (Die Fantastischen Vier), \u00fcber Joachim Witt und Xavier Naidoo, bis hin zu den Abgeordneten des Bundestages oder gar dem NPD-Blatt &#8220;Deutsche Stimme&#8221; war man sich \u00fcber den Quell der Bedrohung einig. Das &#8220;dominante anglo-amerikanische Repertoire&#8221; (Wolfgang Thierse, SPD) immer &#8220;weniger weltumspannende(r) Firmen&#8221; (Antje Vollmer, Die Gr\u00fcnen), also die &#8220;Allmacht des amerikanischen Kulturimperialismus&#8221; (ebd.) zerst\u00f6re das kulturelle Fundament des deutschen Wertesystems.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Wenn es doch blo\u00df so w\u00e4re!)<\/p>\n<p>Doch &#8220;nicht allein die Vermarktung von Pop unter dem beschriebenen Label &#8216;deutsch'&#8221; sei das Problem, sondern vielmehr, dass diese &#8220;Beschw\u00f6rung einer nationalen-kulturellen und somit gesellschaftlichen Identit\u00e4t&#8221; funktioniere. Ein Popsong wie &#8220;Wir sind wir&#8221; ist eben v\u00f6llig egal, solange sich keiner angesprochen f\u00fchlt.<\/p>\n<p>Der darauf folgende <strong><a href=\"http:\/\/www.copyriot.com\/sinistra\/\">Sinistra!<\/a><\/strong>-Text mit dem Titel <em>&#8216;Nation &#8211; Was soll der Unsinn?&#8217;<\/em> ist eine theoretische Vertiefung, geht weiter auf die Spezifika der deutschen Nation ein und stellt das Wertverh\u00e4ltnis vor, denn:<\/p>\n<blockquote cite=\"Sinistra!\"><p>Der Kapitalismus besteht nicht aus einem personalen Herrschaftsverh\u00e4ltnis zwischen Kapitalistin und Arbeiterin, sondern aus einer Grundstruktur, der jede Einzelne gegen\u00fcber tritt, dem Wertverh\u00e4ltnis.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch das darf gerne mal gesagt werden, der &#8216;lieben Zielgruppe&#8217; sowieso, deutet aber bereits die Schw\u00e4che von diesem Text an; so erholsam ich es finde, wenn der femininen Form der Vorzug vor der maskulinen gegeben wird, denke ich doch, dass beim Schreiben das,  wor\u00fcber geschrieben wird, auch ein W\u00f6rtchen mitzureden hat. An dieser Stelle von Kapitalistinnen und Arbeiterinnen zu schreiben erscheint mir ein wenig unpassend, haben wir es doch in den letzten zweihundert Jahren ganz \u00fcberwiegend mit M\u00e4nnern auf beiden Seiten zu tun gehabt, und bildet die Hausfrauenschaft doch immernoch eine Art &#8216;Fluchtm\u00f6glichkeit&#8217; f\u00fcr Frauen vor dem direkten, ungeschminkten Verkauf ihrer Arbeitskraft. Inhaltlich geht der Text aber gr\u00f6\u00dftenteils auch klar, es ist nur schade wegen des unn\u00f6tig hohen Anteils an Jargon und der komplizierten Beschreibung von teilweise recht simplen Sachverhalten. Aber vielleicht kann er\/sie\/es auch gar nicht mehr anders, wenn er\/sie\/es sich erstmal an so eine Schreibe gew\u00f6hnt hat. <\/p>\n<p><strong>Martin B\u00fcsser<\/strong> legt den Schwerpunkt in <em>Deutsche Kulturbewahrer<\/em> wieder mehr auf die (Pop)Kultur(Industrie) selbst, und bezieht sich dabei von Anfang an stark auf die kritische Theorie. Er skizziert die Entstehung des wiederum spezifisch deutschen elit\u00e4ren Kulturbegriffs, im Kontrast zu dem wesentlich allgemeineren angels\u00e4chsischen (weshalb auch nur dort die Cultural Studies entstehen konnten) und schlie\u00dft:<\/p>\n<blockquote cite=\"Martin B\u00fcsser\"><p>Die von den Nazis angestrebte Durchdringung aller Lebensbereiche mit &#8220;deutscher Kultur&#8221; weitete den elit\u00e4ren Kulturbegriff auf die Volks- und Massenkultur aus, blieb also weiterhin elit\u00e4r, weil auf m\u00f6rderische Weise ausgrenzend: Teilhabe an Kultur, ja Besitz von Kultur wurde ausschlie\u00dflich rassisch definiert. Wo Kultur als Primat aufgefasst wird, losgel\u00f6st von Zivilisation als Bekenntnis zur Freiheit Aller und zur Verbesserung allgemeiner Lebensbedingungen, kann sie jederzeit zur Durchsetzung elit\u00e4rer Interessen missbraucht werden, ganz gleich, ob sich diese Elite nun als Stand, Volk oder Nation definiert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Allerdings kann ich ihm nicht an allen Stellen ganz folgen, so zum Beispiel wenn er <strong>Georg Steiner<\/strong> unter anderem mit den Worten zititert:<\/p>\n<blockquote cite=\"Georg Steiner\"><p>Die Gegenkultur ist sich genau dar\u00fcber im klaren, wo sie mit ihrem Zerst\u00f6rungswerk anzusetzen hat. Das grelle Illiteratentum allen Mauergekritzels, das hartn\u00e4ckige Schweigen der Jugendlichen, das Nonsens-Geschrei der B\u00fchnen-Happening [sic] &#8211; sie alle sind Teil einer resoluten Strategie. Der Aufr\u00fchrer und der Freak-Out haben das Gespr\u00e4ch mit einem kulturellen System abgebrochen, das sie verachten als einen grausamen, antiquierten Betrug. [&#8230;] Akzeptiere auch nur f\u00fcr einen Moment die Konventionen gebildeten Wortaustausches, und du bist gefangen im Netz der alten Werte und damit einer Grammatik der Leutseligkeit oder Versklavung.<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Stelle, die dem Hinweis darauf folgt, dass es keinerlei Grund gibt zu glauben, die Nazis seien weniger kultiviert, feinf\u00fchlig oder kunstsinnig gewesen als andere Menschen, bleibt relativ unkommentiert stehen und es geht weiter mit der Frage, &#8220;inwieweit Kultur innerhalb des Kapitalismus als Kultur \u00fcberhaupt antikapitalistisch funktionieren kann&#8221; und dem Bezug auf Marcuses Begriff der &#8216;repressiven Toleranz&#8217;. Weder gegen die Frage noch gegen den Begriff habe ich etwas einzuwenden, aber zur\u00fcck zu dem Zitat von Steiner: Die Annahme einer resoluten Strategie finde ich absurd &#8211; Strategie wozu? Mit welchem Ziel? Es gibt wahrlich genug Aufr\u00fchrer und Freak-Outs, die anscheinend eine tats\u00e4chlich relativ resolute Strategie verfolgt haben, um in diesem kulturellen System zu Ansehen zu kommen.<br \/>\nDas, was mich an dieser Stelle so gruselt ist aber etwas anderes: Die Annahme, dass, weil die allgemeinen Formen der Vermittlung verseucht sind, nur eine  vollst\u00e4ndige Verweigerung der Vermittlung noch in Frage kommt und m\u00f6glicherweise sogar einen Ausweg darstellt. Aber zum Alpha-M\u00e4nnchen spielen braucht man keine gro\u00dfen Worte, und was davon besser wird, wenn man(n) sich keine M\u00fche mehr gibt, ganze S\u00e4tze zu bilden, ist mir ein R\u00e4tsel. Die schweigenden Jugendlichen von damals wu\u00dften eben nicht wirklich etwas anderes mit sich anzufangen, und das Mauergekritzel von heute (so gro\u00df meine Liebe zu tanzenden Buchstaben auch ist) reproduziert doch haupts\u00e4chlich ausgeleierte Statusspielchen in einem neuen Medium (Graffiti) oder l\u00e4sst die Stadt ein wenig weniger langweilig aussehen und ist dabei von Werbung gar nicht so grunds\u00e4tzlich verschieden (Street Art). Das Begreifen der Situation, in der man selbst oder die Welt oder was auch immer sich befindet, die Reflexion also, ist eben immernoch an diese, wenn auch verseuchten, alten Formen der Vermittlung, allen voran die Sprache, gebunden. Eine neue Sprache, viele neue Sprachen w\u00e4ren m\u00f6glicherweise ein Ziel, aber nicht die simple Abschaffung einer bestimmten Form. <\/p>\n<h3>Exkurs: Marcuse und die Befreiung<\/h3>\n<p>Der Titel des n\u00e4chsten Textes, der zitiert wird, ist extrem catchy und hat mich auch wegen der Thematik dazu veranlasst, ihn mir aus der Bibliothek zu holen und selbst einen Blick drauf zu werfen: <strong>Marcuses<\/strong> Vortrag <em>Musik von anderen Planeten<\/em> (1968). Es geht um (&#8216;schwarze&#8217;) Musik und die Rolle des K\u00f6rpers, des Tanzens in ihrer Rezeption; M. B\u00fcsser fast zusammen:<\/p>\n<blockquote cite=\"Martin B\u00fcsser\"><p>Im Gegensatz zur Lohnarbeit bewegt sich der K\u00f6rper hier aus freien St\u00fccken heraus, ohne einem erkennbaren \u00f6konomischen Zweck zu dienen und wird sich so \u00fcber die zweckfreie Bewegung des Unterdr\u00fccktseins bewu\u00dft. Marcuses Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine &#8216;andere&#8217; Kultur meint also nicht unreflektiert triebhafte Entfesselung, sondern eine Erfahrung, die bereits eine Ahnung von der befreiten Gesellschaft geben kann.<br \/>\nEs ist genau diese Erfahrung, die viele Deutsche nach dem zweiten Weltkrieg so f\u00fcrchteten, als anl\u00e4sslich von Jazz und Rock&#8217;n&#8217;Roll abermals von &#8216;Negermusik&#8217; die Rede war.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8216;Ahnung von einer befreiten Gesellschaft&#8217; klingt gut, und ich tendiere immer wieder dazu, es zu glauben. Kleinere Worte scheinen auch mir das Gl\u00fcck am Tanzen nicht wirklich zu erkl\u00e4ren. Ich bin mir nur nicht so sicher. Und der n\u00e4mliche Text erweist mir in der Frage einen schlechten Dienst:<br \/>\nMarcuse beginnt, indem er darlegt, dass er ja eigentlich von Musik gar nich so wirklich Ahnung habe, von Adorno allerdings in die neue Musik eingef\u00fchrt worden sei und Musik &#8220;im Gefolge von Hegel und Schopenhauer&#8217; interpretiere. Und ab da gehen die Plattit\u00fcden los. Musik beschw\u00f6re eine  &#8220;m\u00f6gliche, eine notwendige Zukunft, f\u00fcr die wir arbeiten m\u00fcssen&#8221;. F\u00fcr <strong>Hegel<\/strong> sei Musik <\/p>\n<blockquote cite=\"Herbert Marcuse\"><p>Ausdruck innersten menschlichen Seins, befreit von allen \u00e4u\u00dferen Vermittlungen, allen materiellen Gegebenheiten und r\u00e4umlichen Begrenzungen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und f\u00fcr <strong>Schopenhauer<\/strong> <\/p>\n<blockquote cite=\"Herbert Marcuse\"><p>Musik der einzige freie und unmittelbare Ausdruck des Willens [&#8230;], jener Kraft, die das Universum als Lebenswille, Lebenstrieb tr\u00e4gt.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote cite=\"Herbert Marcuse\"><p>So ist f\u00fcr Schopenhauer die Musik in einzigartiger Weise frei: befreit von den falschen, repressiven, tr\u00fcgerischen Worten, Bildern und Werten der falschen, repressiven, tr\u00fcgerischen menschlichen Existenz.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich verstehe nicht, was diese S\u00e4tze grunds\u00e4tzlich von irgendeinem beliebigen Esoterik-Schmarrn unterscheidet. Ich mag einer Analyse kaum folgen, die auf diesen Annahmen basiert. Und nein, Beethovens Musik ist eben nicht der Ausdruck reinster Subjektivit\u00e4t (der ist f\u00fcr die Musikwissenschaftler), genauso wenig wie die menschliche Existenz selbst &#8220;falsch&#8221; ist.<br \/>\nDie von B\u00fcsser zitierte Stelle steht kurz vor der Schlussbemerkung, in der von der neuen Musik die Rede ist: <\/p>\n<blockquote cite=\"Herbert Marcuse\"><p>[&#8230;] eine Kunst, die eine ganze Generation weltweit dazu bringt, zu singen, zu tanzen und zu marschieren, ohne einer Milit\u00e4rkapelle oder einem Rattenf\u00e4nger zu folgen. Diese Generation folgt nur sich selbst und der Melodie ihres K\u00f6rpers und Geistes.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch wenn &#8216;to march&#8217; im Englischen eine leicht andere Bedeutung hat, als &#8216;marschieren&#8217; im Deutschen erscheint diese Verherrlichung der damaligen Jugend heute bitter entlarvt, bzw. Marcuse hatte mit folgender Feststellung leider auf ganz andere Art und Weise Recht, als er wahrscheinlich vermutet hat:<\/p>\n<blockquote cite=\"Herbert Marcuse\"><p>Es geht um eine neue Produktionsweise und neue Produktionsziele, einen neuen Menschentypus als Produzenten, das Ende der Rollenspiele, der herk\u00f6mmlichen Arbeitsteilung, der Trennung von Arbeit und Freizeit<\/p><\/blockquote>\n<p>Nach einem kurzen Blick in den n\u00e4chsten Text im selben Band, den Vortrag <em>Kunst als Form der Wirklichkeit<\/em>, stellt sich aber schon wieder die Frage, ob es nicht doch eher ganz gut so ist, wenn Marcuse doch 1969 meinte, wirklich seien &#8220;die Ghettos und ihre Anf\u00fchrer, wirklich&#8221; seien &#8220;die Kr\u00e4fte der Befreiung weltweit, im Osten wie im Westen, in der Ersten, Zweiten und Dritten Welt; wirklich&#8221; seien &#8220;Castro und Che Guevara&#8221;.<\/p>\n<p>Freilich hat das alles mit B\u00fcssers Text wenig zu tun. Der behauptet zwar:<\/p>\n<blockquote><p>Marcuses Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine &#8220;andere&#8221; Kultur meint also nicht unreflektiert triebhafte Entfesselung, sondern eine Erfahrung, die bereits eine Ahnung von der befreiten Gesellschaft geben kann.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber aus welcher Stelle im Text er das herausliest bzw. ob er an der Stelle nicht schlicht Marcuses Verkl\u00e4rungen aufsitzt bleibt unklar.<\/p>\n<p><strong>Roger Behrens&#8217;<\/strong> <em>Das Prinzip Kollektivstolz*** &#8211; Warum gerade jetzt und \u00fcberhaupt popkultureller Bezug auf die Nation?<\/em> versucht, <\/p>\n<blockquote cite=\"Roger Behrens\"><p>die spezifischen politischen und historischen Bedingungen, unter denen heute Nationalismus, Popgesellschaft und Kapitalismus zu einem Block verschmelzen<\/p><\/blockquote>\n<p>in den Blick zu nehmen. Dabei kommen teilweise nette Quotes heraus, z.B. das von der Popkultur in Deutschland als Angestelltenkultur, <\/p>\n<blockquote cite=\"Roger Behrens\"><p>in der Kritik der Verh\u00e4ltnisse nicht vom Standpunkt der Produktion formuliert wird, sondern vom Standpunkt der Reproduktion, also letzthin als kleinb\u00fcrgerliche Beschwerde, im irgendetwas betrogen worden zu sein, was einem zusteht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wirklich viel neues findet man in dem Text nicht, aber in so einem kleinen Aufkl\u00e4rungsb\u00fcchlein muss das ja auch nicht sein. Die illustration gut abgehangener Konzepte mit aktuellen Beispielen ist durchaus gelungen, nur manchmal beschleicht mich der Eindruck des Worth\u00fclsenverschlei\u00dfes, so z.B. wenn er nicht nur von der Poplinken, sonder auch dem Wandel der &#8216;Berliner Republik&#8217; zu &#8216;Popnation&#8217; und der &#8216;popdemokratischen Toleranz&#8217; spricht, auch wenn das Beispiel f\u00fcr letztere wiederum gut gew\u00e4hlt ist: So geh\u00f6re es n\u00e4mlich heute zu jener popdemokratischen Toleranz,<\/p>\n<blockquote cite=\"Roger Behrens\"><p>auch bei den B\u00f6sen Onkelz abzuw\u00e4gen, ebenso wie es zum Respekt der Konformisten geh\u00f6rt, auch Rammstein differenziert zu h\u00f6ren. <\/p><\/blockquote>\n<p>Die darauf folgende Stelle deutet eine der zentralen Differenzen der Herangehensweise an Popmusik von Kritischer Theorie\/Adorno und der der Cultural Studies an:<\/p>\n<blockquote><p>Popmusik heute das Recht auf Interpretation einzur\u00e4umen, was ja immerhin unterstellt, dass es \u00fcberhaupt etwas zu interpretieren gibt (dass es also nicht nur eine Bedeutung gibt, sondern sogar einen m\u00f6glichen Bedeutungsspielraum), ist ein f\u00fcr die Konstitution der Popgesellschaft Ender der neunziger Jahre ma\u00dfgebliches Ph\u00e4nomen. Und zentral f\u00fcr Mia.s &#8220;Mut&#8221;, Deutschland und vor allem dem eigenen Deutsch-Sein Respekt zu zollen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Problematisch erscheint mir die Selbstverst\u00e4ndlichkeit der Verwendung des Begriffs von der &#8220;kritischen Popkultur&#8221; &#8211; wahrscheinlich tobten hier schon viele Diskussionen, die ich schlicht verpasst habe, aber eine kleine Erkl\u00e4rung was das eigentlich sein soll h\u00e4tte vielleicht nich geschadet.<\/p>\n<p>Alles in allem auch im Angesicht von <strong>G\u00fcnther Jacobs<\/strong> berechtigter <a href=\"http:\/\/www.sexykapitalismus.de\/pop_the_revolution.php3?sk=Theoriesampling&#038;src=19&#038;PHPSESSID=82984d5551894c548eeaa2adc072773f\">Kritik<\/a> an dem Projekt eine gelungene Propagandaaktion. M\u00f6glicherweise aber doch eher wegen dem provozierten Entsetzen &#038; den hasserf\u00fcllten Kommentaren mit denen ICRID \u00fcbersch\u00fcttet wurde als wegen dem eigentlichen Inhalt. Die Fratze kann sich gar nicht deutlich genug kenntlich machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber &#8216;I Can&#8217;t Relax In Deutschland&#8217; und eine Rede von Herbert Marcuse Marcuse schreibt in dem als &#8216;Musik von anderen Planeten&#8217; ver\u00f6ffentlichten Skript einer Rede vor Absolventen des New England Conservatory of Music von 1968 \u00fcber die Rolle und spezifischen Eigenschaften von Musik als Kunst, \u00fcber den Klassencharakter der klassischen und die Besonderheiten der &#8220;schwarzen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,4,11,7,1],"tags":[],"class_list":["post-48","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bucher","category-musik","category-rant","category-tanztheorie","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=48"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=48"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=48"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=48"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}