{"id":49,"date":"2006-03-21T21:21:40","date_gmt":"2006-03-21T20:21:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2006\/03\/21\/verkurzte-copyrightkritik\/"},"modified":"2006-08-13T15:34:29","modified_gmt":"2006-08-13T14:34:29","slug":"verkurzte-copyrightkritik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2006\/03\/21\/verkurzte-copyrightkritik\/","title":{"rendered":"Verk\u00fcrzte Copyrightkritik"},"content":{"rendered":"<h3>Jan Kr\u00f6mer\/Evrim Sen, No Copy &#8211; Die Welt der digitalen Raubkopie<\/h3>\n<p>Schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis l\u00e4sst durchschimmern, dass hier nicht wirklich weit gedacht wurde: Das erste Kapitel hei\u00dft &#8216;Die Geschichte der Schwarzkopie&#8217;, und f\u00e4ngt mit dem Stichpunkt &#8216;Die ersten Hacker&#8217; an. Die Wurzeln des Urheberrechts, das sich schlie\u00dflich seit seiner Entstehung immer wieder mit &#8216;der Schwarzkopie&#8217; besch\u00e4ftigt hat und besch\u00e4ftigen musste &#8211; was w\u00e4re der Sinn eines Urheberrechts ohne die Gefahr der Schwarzkopie, die es abzuwenden gilt -, werden damit v\u00f6llig ignoriert. Weder gibt es in diesem Universum Raubdrucke noch das eigenm\u00e4chtige Bespielen von Kassetten, mitsamt der juristischen Regelungen, die durch letztere notwendig wurden. W\u00e4re in die Kapitel\u00fcberschrift, wie in den Buchtitel, noch das kleine W\u00f6rtchen &#8216;digitale&#8217; eingef\u00fcgt worden, das ganze w\u00e4re zumindest weniger falsch. Wirklich besser w\u00fcrde das Buch davon nicht werden.<!--more--><\/p>\n<p>Dass mich das ganze szenige Getue um Hacker, Cracker und &#8216;Community&#8217; im Tabloid-Stil nicht interessiert, kann ich nicht einem Buch zum Vorwurf machen, das im Klappentext damit beworben wird, &#8216;Hintergr\u00fcnde und Zusammenh\u00e4nge einer weltumspannenden Szene&#8217; aufzudecken und die Frage zu kl\u00e4ren, wer die &#8216;Drahtzieher einer Gemeinschaft&#8217; sind, &#8216;der bis heute weder Industrie noch Strafverfolger Einhalt gebieten&#8217; konnten. Dennoch wundere ich mich \u00fcber die so offensichtlichen <del datetime=\"2006-03-21T19:15:35+00:00\">Selbst<\/del>Verherrlichungstendenzen der Autoren (&#8216;IT-Berater&#8217; bzw. &#8216;Software-Entwickler&#8217;), die sich eine unbesiegte, glorreiche &#8216;Gemeinschaft&#8217; herbeiquatschen, sozusagen das kleine gallische Dorf, und dabei halb jeden eingemeinden, der schonmal einen Song illegal (oder zumindest nicht explizit legal) aus dem Netz gezogen hat. <\/p>\n<p>Der Klappentext beginnt mit dem Zitat &#8220;Raubkopierer sind Verbrecher&#8221;, und stellt diese Aussage sofort in Zweifel, ohne zu merken, dass schon in der \u00dcbernahme der Terminologie eine Best\u00e4tigung genau dieser Aussage steckt. Konkret: Raub ist nunmal, mehr noch als blo\u00dfer Diebstahl, ein Verbrechen. (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Raub\">Wikipedia<\/a>: <\/p>\n<blockquote><p>Raub ist nach deutschem Strafrecht die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache durch Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung einer gegenw\u00e4rtigen Gefahr f\u00fcr Leib und Leben mit der Absicht, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen)\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Man kann dar\u00fcber streiten, wann eine Kopie rechtm\u00e4\u00dfig ist oder nicht, aber wie auch immer dieser Streit ausgehen mag, der Begriff der Raubkopie impliziert, dass sie illegal ist. Insgesamt wird in diesem Buch schlampig mit Sprache umgegangen, so wenn es zum Beispiel zu Napster hei\u00dft:<\/p>\n<blockquote><p>Das Prinzip von Napster war so einfach wie genial.<\/p><\/blockquote>\n<p>und sp\u00e4ter \u00fcber die Wikipedia:<\/p>\n<blockquote><p>Das Prinzip von Wikipedia ist ebenso simpel wie genial.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wobei allein die Wendung &#8220;so einfach wie genial&#8221; mit all ihren Abk\u00f6mmlingen eigentlich schon in den Papierkorb f\u00fcr ausgeleierte Formulierungen geh\u00f6rt.<\/p>\n<blockquote><p>Nat\u00fcrlich muss ein Produkt auch eine Nachfrage befriedigen, der Konsument muss das Gef\u00fchl haben, da\u00df das Produkt einen Zweck erf\u00fcllt. Der emotionale Aspekt und das pers\u00f6nliche Empfinden sind jedoch ebenfalls wichtige Kaufentscheidungen. Menschen kaufen Dinge nicht aus reinem Nutzen heraus.<br \/>\nBei Software hingegen sieht es anders aus. Es ist nicht die Marke, die eine Kaufentscheidung hervorruft. Hier steht die Funktionalit\u00e4t, also der Nutzen, im Vordergrund.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich. Der Wettbewerb im Bereich von Software hat nichts mit dem Ruf und Style der beteiligten Marken zu tun. Bill Gates ist so reich wie er ist weil Microsoft so \u00fcberragende Software verkauft, dass jeder Preis auch im Angesicht von kostenlosen Open Source Erzeugnissen gerechtfertigt ist. Und der Aufstieg von Firefox hat auch nichts mit dem gegen\u00fcber seinem &#8216;Vorg\u00e4nger&#8217; Mozilla schickeren Logo und der begleitenden Kampagne zu tun.<br \/>\nProgrammiererwunschdenken?<br \/>\n(Mir ist auch neu, dass ein &#8217;emotionaler Aspekt&#8217; bereits eine Kaufentscheidung ist&#8230;)<\/p>\n<p>Ich habe es nicht geschafft viel mehr in dem Buch zu lesen. Zum Abschied noch einen Blick in den Anhang, in dem sich unter anderem ein Interview mit Lawrence Lessig findet. Man kann an Lessig alles m\u00f6gliche aussetzen, aber bl\u00f6d ist er nicht, und ein langweiliger Redner ebenso wenig. Er gibt sich auch redliche M\u00fche, aber die Fragen machen es ihm wirklich nicht leicht:<\/p>\n<blockquote><p>Im Internet gibt es viele gro\u00dfe Communitys. Man denke nur an Linux oder die Open-Source-Verfechter. Glauben Sie wirklich, da\u00df die Industrie all deren Ideen mit Hilfe des Copyrights unterdr\u00fccken m\u00f6chte?<\/p><\/blockquote>\n<p>Erst Lessig eine platte Verschw\u00f6rungstheorie in den Mund legen, die er nie vertreten hat, um ihn dann zu fragen, ob er das denn wirklich ernst meint.<br \/>\nI rest my case.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jan Kr\u00f6mer\/Evrim Sen, No Copy &#8211; Die Welt der digitalen Raubkopie Schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis l\u00e4sst durchschimmern, dass hier nicht wirklich weit gedacht wurde: Das erste Kapitel hei\u00dft &#8216;Die Geschichte der Schwarzkopie&#8217;, und f\u00e4ngt mit dem Stichpunkt &#8216;Die ersten Hacker&#8217; an. 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