{"id":84,"date":"2006-08-01T10:08:19","date_gmt":"2006-08-01T09:08:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2006\/08\/01\/die-schreckliche-deutsche-sprache\/"},"modified":"2006-08-13T15:31:22","modified_gmt":"2006-08-13T14:31:22","slug":"die-schreckliche-deutsche-sprache","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2006\/08\/01\/die-schreckliche-deutsche-sprache\/","title":{"rendered":"Die schreckliche deutsche Sprache"},"content":{"rendered":"<p><strong>Deutsch Sprech #2<\/strong><br \/>\n<small>Wieder dreht es sich um<br \/>\n<em>Hans M\u00fcller<br \/>\nDas ist unser Deutsch \u2013 Ein Zeitspiegel<br \/>\nLangensalza 1937<\/em><br \/>\nund die Links f\u00fchren zu den Scans zum selber lesen.<\/small><br \/>\nDas <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photo_zoom.gne?id=196005201&#038;context=set-72157594208551183&#038;size=l\">Inhaltsverzeichnis<\/a>    warnt vor dem stillosen Fremdwort, verk\u00fcndet ihm den Kampf, spricht von seiner &#8216;Zaubermacht&#8217; und fordert ganz schlicht: &#8220;Im neuen Deutschland sauberes Deutsch!&#8221; Darauf folgt dieses Gedicht: <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/playinprogress\/203067088\/\" title=\"Photo Sharing\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/57\/203067088_6f0af524ff.jpg\" width=\"500\" height=\"423\" alt=\"hans_mueller008.2.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wir begreifen also sp\u00e4testens jetzt: richtiges Deutsch ist &#8216;rein und edel&#8217;, Deutsch das deutsches verk\u00fcndet soll dem Deutschen heilig sein und befreit von fremdem Einfluss, ein Forscher oder Dichter, der Fremdworte benutzt um sich auszudr\u00fccken ist ein &#8216;Fremdenknecht&#8217; bzw. &#8216;f\u00e4lscht&#8217;.<!--more--><\/p>\n<p>Die Ode an die <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photo_zoom.gne?id=202277115&#038;size=l&#038;context=set-72157594208551183\">Muttersprache<\/a> beschreibt die &#8216;Gewalt&#8217; dieser Sprache:<\/p>\n<blockquote><p>Zu wuchtiger Einsilbigkeit geballt, fest und unersch\u00fctterlich wie deutsche Eichen stehen sie da: der deutsche Kampf und die deutsche Kraft, der Trotz und der Erfolg, Kern und Mark, Schwert, Sturm, Fels und Burg.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es f\u00e4llt mir schwer diese S\u00e4tze zu lesen ohne dass der Horror des Wissens um den tats\u00e4chlichen &#8216;deutschen Kampf&#8217; und die Verwirklichung der &#8216;deutschen Kraft&#8217; mir in die Knochen kriecht. Die Penetranz der Analogie vom &#8216;Mutterboden&#8217; und dem fremdst\u00e4mmigen &#8216;Unkraut&#8217; erscheint fast wie eine Parodie, ebenso wie die st\u00e4ndige Rede von &#8216;Kern&#8217; und &#8216;Nat\u00fcrlichkeit&#8217;:<\/p>\n<blockquote><p>Jahrhundertelang hat unser Volk den edlen Acker unserer Sprache verkommen lassen.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nEndlich aber wird es Zeit, da\u00df wir nachholen, was fr\u00fchere Geschlechter vers\u00e4umt haben: Kampf dem Fremdwort! Kampf auch aller Unnatur, allem Falschen und H\u00e4\u00dflichen, das unsere sch\u00f6ne Sprache entstellt!<\/p><\/blockquote>\n<p>Sogar in diesem kleinen Traktat \u00fcber die Sprache wird die verzerrte deutsche Selbstwahrnehmung deutlich; der Glaube, bedroht zu sein, und sich doch nur zu wehren:<\/p>\n<blockquote><p>Wir alle wollen mithelfen, das bedrohte Kleinod unserer Muttersprache zu retten, uns immer eifrig bem\u00fchen, in Wort und Schrift das Fremdgew\u00e4chs auszurotten, das, frech emporschie\u00dfend, die edlen einheimischen Gew\u00e4chse erstickt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Immer wieder erschrecke ich \u00fcber die Gewaltt\u00e4tigkeit dieser Sprache, \u00fcber die Gr\u00fcndlichkeit, mit der sie von Kampf und Chauvinismus durchdrungen ist, obwohl es doch eigentlich nur um ein paar kleine Fremdworte geht.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Kapitel, &#8220;<a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photo_zoom.gne?id=202277827&#038;context=set-72157594208551183&#038;size=l\">Im neuen Deutschland sauberes Deutsch!<\/a>&#8220;, wendet sich direkt an all die Personen, die sich von dem B\u00fcchlein angesprochen f\u00fchlen sollen: dem &#8216;Tagesschriftsteller&#8217;, der jetzt kein &#8216;Journalist&#8217; mehr ist, wird davon abgeraten, zu &#8216;propagieren, organisieren, agitieren und dokumentieren&#8217;<\/p>\n<blockquote><p>Soll ewig weiter <em>dementiert<\/em>, <em>debattiert<\/em>, <em>konferiert<\/em> und <em>kommentiert<\/em> werden? Nein, denn im neuen Deutschland wird deutsch gesprochen!<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Anhang kl\u00e4rt \u00fcber die richtigen deutschen Worte auf (Reihenfolge wie im obigen Zitat):<\/p>\n<ul>\n<li>widerrufen\/berichtigen<\/li>\n<li>verhandeln\/sich besprechen\/sich aussprechen<\/li>\n<li> beraten<\/li>\n<li> erl\u00e4utern\/erkl\u00e4ren\/deuten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie wenig der vorgeschlagene Deutsch Sprech die Bedeutung des Wortes &#8216;debattieren&#8217; erfasst l\u00e4sst R\u00fcckschl\u00fcsse dar\u00fcber zu, was mit &#8216;richtigem&#8217; Deutsch \u00fcberhaupt noch ausgedr\u00fcckt werden kann oder soll, und auch einen Kommentar zu einer Erkl\u00e4rung bzw. Deutung zu reduzieren verr\u00e4t, wie wenig hier von einer Diskussion gehalten oder auch nur verstanden wird. Deutsche Diskussionskultur ist keine.<\/p>\n<p>Weiter soll der ehemalige P\u00e4dagoge, jetzt Jugenderzieher, sich nicht mehr um die <em>Psyche<\/em>, sondern um die deutsche <em>Seele<\/em> seiner Schutzbefohlenen k\u00fcmmern, und folglich auch nicht mehr der <em>modernen psychologisch orientierten Individualp\u00e4dagogik<\/em> anh\u00e4ngen, denn so ein &#8216;latein-griechischer Mischmasch&#8217; geh\u00f6rt sich jetzt nicht mehr, sondern zeitgem\u00e4\u00df der<em> heutigen auf das Seelenleben gerichteten Einzelerziehung<\/em>. Der Deutschlehrer, der ja wohl kein <em>Germanist<\/em>, sondern ein <em>Deutschkundler<\/em> ist, soll nicht mehr von <em>Impulsen<\/em> und <em>Motiven<\/em> reden, wo er <em>Triebe<\/em> und <em>Anreize<\/em> meint. Auf der <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photo_zoom.gne?id=202278630&#038;context=set-72157594208551183&#038;size=l\">n\u00e4chsten Seite<\/a> wird der Geschichtslehrer ermahnt:<\/p>\n<blockquote><p>Der erste Mai mahnt uns jedes Jahr wieder, den Klassengegensatz im deutschen Volke zu \u00fcberwinden. [&#8230;] Das Fremdwort spaltet das Volksganze in &#8220;Gebildete&#8221; und &#8220;Ungebildete&#8221;. Die Muttersprache aber schlie\u00dft uns zusammen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Hausfrau soll sich ihres <em>Salons<\/em>, der <em>Vitrine<\/em> u nd der <em>Jalousien<\/em> entledigen, ebenso der <em>Garderobe<\/em>, <em>Manik\u00fcre<\/em> und des <em>Parf\u00fcms<\/em>. <em>Duftwasser<\/em> tut es doch auch. Also, wenn es schon unbedingt sein muss, dass ihr Frauen den Mund auf macht:<\/p>\n<blockquote><p>Darum \u00fcberall, wo ihr uns etwas zu sagen habt, deutsche Frauen, sprecht deutsch!<\/p><\/blockquote>\n<p>Und <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photo_zoom.gne?id=202276506&#038;context=set-72157594208551183&#038;size=l\">schlie\u00dflich<\/a> d\u00fcrfen &#8216;wir alle&#8217; nicht vergessen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8230; es trauert in unserm Vaterlande immer noch eine Einsame, lieblos Verlassene, die unter die M\u00f6rder gefallene Muttersprache.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsch Sprech #2 Wieder dreht es sich um Hans M\u00fcller Das ist unser Deutsch \u2013 Ein Zeitspiegel Langensalza 1937 und die Links f\u00fchren zu den Scans zum selber lesen. 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