{"id":37,"date":"2006-02-07T01:28:32","date_gmt":"2006-02-07T00:28:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2006\/02\/07\/aha-schreibt-am-122006-uber-sich-selbst\/"},"modified":"2006-02-07T01:29:09","modified_gmt":"2006-02-07T00:29:09","slug":"aha-schreibt-am-122006-uber-sich-selbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/2006\/02\/07\/aha-schreibt-am-122006-uber-sich-selbst\/","title":{"rendered":"AHA schreibt am 1.2.2006 \u00fcber sich selbst"},"content":{"rendered":"<p>Andreas Hartmann bemerkt in <a href=\"http:\/\/jungle-world.com\/seiten\/2006\/05\/7116.php\">seinem Text<\/a> \u00fcber das Buch <a href=\"http:\/\/www.ventil-verlag.de\/buecher\/popgesch\/popjournalismus_set.htm\">&#8220;Popjournalismus&#8221;<\/a> von Bonz\/B\u00fcscher\/Springer ganz richtig, dass &#8220;&#8230;die Selbstbeob\u00adachtung, auch die Definition davon, was Popjournalismus \u00fcberhaupt sein k\u00f6nnte, [&#8230;] von den Jungs beinahe vollst\u00e4ndig unter sich&#8221; ausgemacht wird, und weiter:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote cite=\"Andreas Hartmann\"><p>Warum schreiben so wenig Frauen \u00fcber Popmusik? Dieser Frage h\u00e4tte man in dem ansonsten recht interessanten Buchprojekt, das aus einer Bremer Tagung zum Thema hervorgegangen ist, ruhig nochmals nachgehen k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist v\u00f6llig in Ordnung. Dem tut der Umstand, dass er selbst ein Kerl ist, durchaus keinen Abbruch (man k\u00f6nnte diese misslichen Verh\u00e4ltnisse nat\u00fcrlich \u00e4ndern, indem man einfach mir seinen Job gibt, aber eigentlich habe ich auch besseres zu tun).<\/p>\n<blockquote cite=\"Andreas Hartmann\"><p>Popjournalismus, so wie wir ihn kennen, hat stets etwas mit Besser- und Bescheidwissen zu tun, es wird ja geradezu verlangt, meinungsstark und als Rechthaber aufzutreten, in der Poprezeption ist der Auftrumpfer K\u00f6nig. Logisch, dass sich vor allem Jungs scharenweise dazu berufen f\u00fchlen, von sich und ihren Geschmacksurteilen zu erz\u00e4hlen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Selbstverst\u00e4ndlichkeit wundert mich, vielmehr w\u00e4re doch zu fragen, warum dieser Schluss so offensichtlich scheint. Mitleid mit AHA, von dem &#8220;ja geradezu verlangt wird, meinungsstark und als Rechthaber aufzutreten&#8221; habe ich keins. Weiter schreibt er: <\/p>\n<blockquote cite=\"Andreas Hartmann\"><p>Dass unter diesen Bedingungen M\u00e4dchen im Popjournalismus nicht mitmachen wollen bzw. d\u00fcrfen, ist nur eines der Symptome f\u00fcr die Krise, in der dieser steckt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist Schmarrn, impliziert es doch, dass es einen Zustand vor der Krise gab, damals, als Frauen in Scharen Popjournalismus betrieben haben und die m\u00e4nnliche Dominanz kaum zu sp\u00fcren war. Die Rede von der Krise des Popjournalismus ergibt \u00fcberhaupt erst Sinn, wenn man sich einst viel von ihm erhofft, viel von ihm gehalten hat; offensichtlich trifft das auf einige Endwanziger zu, die immernoch von der Zeit schw\u00e4rmen, als die Spex so toll war. Leider war ich da noch nicht Rezipientin und kann deshalb wenig dar\u00fcber sagen, wie &#8220;toll&#8221; ich das damals gefunden h\u00e4tte. Es muss aber wirklich lange her, die letzten f\u00fcnf Jahre k\u00f6nnen kaum gemeint sein. Weiter bestehe ich darauf, dass es einerseits z.B. in England nach wie vor gro\u00dfartigen <em>Musikjournalismus<\/em> gibt (Plan B Magazine), und sich andererseits nicht wenige mehr oder minder akademische Musikblogger finden, die sich sehr fruchtbar \u00fcber Musik und Musikkultur den Kopf zerbrechen; auch wenn es dabei um alles m\u00f6gliche (HipHop, Grime, Dubstep, Reaggaeton, Mashups, Ragga &#8230;) geht, aber kaum um <em>Pop<\/em> wie er in den 90ern verstanden wurde (ich habe keine Lust, f\u00fcr die Modestrecken in der Spex zu zahlen).* <\/p>\n<p>Folgerichtig hei\u00dft es nun von Diedrichsen:<\/p>\n<blockquote><p>Er, der die diskursive Ausrichtung der Spex bis Mitte der Neunziger gepr\u00e4gt hat wie kein zweiter, hat zuletzt in Interviews und eigenen Texten immer wieder deutlich gemacht, dass er sich von den deutschen Musikzeitschriften jedoch gar nichts mehr versprechen w\u00fcrde. In einem in \u00bbPopjournalismus\u00ab abgedruckten Interview kennt er f\u00fcr die Intro, die f\u00fcr ihn \u00bbkeine Zeitschrift, sondern der Quelle-Katalog\u00ab ist, dann auch keine Gnade und fordert generell: \u00bbDie Form der Popzeitschrift m\u00fcsste man aufgeben und versuchen, Zeitschrift neu zu definieren.\u00ab\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber wozu? Was ist das Ziel? Worum soll es gehen?<br \/>\n\u00dcber die Spex:<\/p>\n<blockquote><p>Die Welt wird aufgeteilt in gute und schlechte Popmusik, die gute Popmusik bildet dann den Spex-Kosmos, so war es fr\u00fcher und so soll es heute immer noch sein. Doch w\u00e4hrend in den Achtzigern und auch noch in die Neunziger hinein dieses Behaupten einer sprichw\u00f6rtlichen Gegenkultur Sinn gemacht hat, wirkt dieses Festhalten an einem ehemals selbstverst\u00e4ndlichen status quo heute nur noch l\u00e4cherlich. Um das \u00bbAndere\u00ab geht es hier l\u00e4ngst nicht mehr, obwohl das behauptet wird, \u00fcber Franz Ferdinand, Arctic Monkeys, Tomte und die neue Platte des Rappers mit noch mehr Schussnarben als 50 Cent berichten in Wahrheit l\u00e4ngst auch die Feuilletons, und meist noch besser.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses &#8220;Behaupten einer sprichw\u00f6rtlichen Gegenkultur&#8221; hat sicherlich niemals mit eigenen H\u00e4nden &#8220;Sinn gemacht&#8221;, aber hat es ihn \u00fcberhaupt jemals ergeben? <\/p>\n<blockquote><p>Andererseits g\u00e4be es das wirklich \u00bbAndere\u00ab ja noch. Besser gesagt: Es gibt es mehr denn je. Davon kriegen jedoch nur noch diejenigen etwas mit, die Tag und Nacht in Internet-Tauschb\u00f6rsen herumkramen oder den englischen Wire lesen. Oder echte Special-Interest-Popmagazine. Im Fachmagazin f\u00fcr HipHop, Reggae, Jazz oder der De:Bug, die im M\u00e4rz ebenfalls ein Jubil\u00e4um und ihre hundertste Ausgabe feiert, hat man zumindest noch den Anspruch, immer wieder Neues zu entdecken und Platz f\u00fcr Acts, Szenen und Ph\u00e4nomene freizuschaufeln, die den Feuilletons und den Popmagazinen mit subkulturellem Allgemeinheitsanspruch zu abseitig sind.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und sp\u00e4testens hier wird deutlich, dass AHA schlicht \u00fcber sich selbst schreibt, bzw. dar\u00fcber, dass er von dem &#8220;wirklich Anderen&#8221;, das hier als pseudoakademische Floskel f\u00fcr &#8220;Neues, Aufregendes&#8221; herhalten muss, eben leider nichts mehr mitbekommt. Dass es sowieso weniger um den Anspruch gehen sollte, &#8220;immer wieder neues zu entdecken&#8221;, sondern schlicht darum sich wirklich begeistern zu lassen w\u00e4re ein Thema f\u00fcr sich. Und dass die De:Bug aus Hartmanns Popjournalismus-Kosmos schon wieder herausf\u00e4llt spricht wirklich f\u00fcr sie; es wundert auch wenig, wenn man bedenkt, wie sie mit ihrer v\u00f6llig undeutschen Begeisterung f\u00fcr technischen Luxus und neues Spielzeug, und Selbstverst\u00e4ndlichkeit im Umgang mit allem was mit dem www zu tun hat, in D Zivilisationsarbeit leistet.<\/p>\n<p>Nach einem Helmut Salzinger Zitat, das einen Hinweis darauf gibt, wohin die Reise eigentlich gehen soll<del datetime=\"2006-02-06T23:22:49+00:00\">t<\/del>e (&#8220;Das Schreiben \u00fcber Pop m\u00fcsse vor allem anders sein.&#8221;) gibt es eine weitere (implizite) Selbstpositionierung (&#8216;Onkel Andreas erz\u00e4hlt vom Krieg&#8217;): <\/p>\n<blockquote><p>Auch wenn G\u00fcnther Jacob heute behauptet, man habe als Spex-Autor damals nur den Masterplan verfolgt, \u00fcber die Hintertreppe in das Goethe-Institut oder an gut dotierte Dozentenp\u00f6stchen zu gelangen, war das Schreiben \u00fcber Pop in den Achtzigern einfach die aufregendste Form des Kulturjournalismus \u00fcberhaupt. <\/p><\/blockquote>\n<p>Den Rest kann ich kaum noch mit ernster Miene lesen, scheint es mir doch, als w\u00fcrde da stehen: <\/p>\n<blockquote><p>Andreas Hartmann scheint seinen goldenen Zeiten einfach nur nachzutrauern, anstatt sich permanent neu zu erfinden, ihm scheint es nicht anders zu gehen als dem Gegenstand, dem er sich weiter flei\u00dfig widmet. Er setzt teilweise immer noch auf dieselben Strategien wie damals, glaubt an Distionktionsgewinne und strategisch richtiges Absetzen von anderen durch das flie\u00dfbandartige Gutfinden der richtigen Platten, obwohl das im politischen oder gar subversiven Sinne gar keinen Sinn mehr macht.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn AHA verk\u00fcndet, das Elend des heutigen Popjournalismus best\u00fcnde darin, dass dieser es nicht schaffe, die journalistische Rezeption von Popkultur weiter aufregend erscheinen zu lassen, frage ich mich, was daran so schlimm ist, wenn etwas tristes trist erscheint. Das Faken von Aufregung kann auf jeden Fall nicht das Ziel sein; es f\u00fchrt wohl selbst zu dem immer neuen Hype um das immer gleiche, den er im nexten Satz der Spex vorwirft. Wenn die Musik nicht aufregend ist, warum sollte es die &#8220;journalistische Rezeption&#8221; sein? Und wer, dem Musik etwas bedeutet, schert sich darum, ob diese &#8220;journalistische Rezeption&#8221; nun aufregend erscheint oder nicht? Leidenschaft w\u00fcrde solche Fragen \u00fcberfl\u00fcssig machen. Wenig \u00fcberrascht, dass er auf die Testcard, die sich wesentlich besser auf gegenw\u00e4rtig frische Musik versteht als er (auch wenn die Autoren teilweise \u00e4lter sind), und auch die Begeisterung noch nicht verlernt hat, nicht gut zu sprechen ist. Adornos L\u00e4cherlichkeit selbstverst\u00e4ndlich vorraus zu setzen ist leichter als zu begr\u00fcnden, warum seine Gedanken keine G\u00fcltigkeit mehr haben sollen.<\/p>\n<p>Zu guter letzt h\u00e4lt er das <a href=\"http:\/\/www.viceland.com\/germany\/index.php\">Vice Magazin<\/a> f\u00fcr die L\u00f6sung des Problems:<\/p>\n<blockquote><p>Das einzige Magazin, in dem endlich auch einmal wieder eigenwillig Popkultur verhandelt wird, ist dann auch ausgerechnet das seit einiger Zeit in Deutschland erh\u00e4ltliche Blatt f\u00fcr gesammelten Schwachsinn, Vice.[&#8230;]Eine wahrscheinlich unglaublich bl\u00f6dsinnige Band wird hier zum Anlass genommen, noch gr\u00f6\u00dferen Bl\u00f6dsinn zu schreiben. Pop und das Schreiben dar\u00fcber als Trash, vielleicht ist das sogar politisch.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Die demonstrative Ausbreitung der eigenen Bl\u00f6dheit ist also (m\u00f6glicherweise) politisch, Popjournalismus ein Wert an sich, und Musik gibt keine R\u00e4tsel auf. Dann ist ja alles klar.<\/p>\n<p>So anti-intellektuell wie dieses Gelaber daher kommt erscheint es mir vor allem ganz sch\u00f6n deutsch.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>*z.B.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.negrophonic.com\/words\/index.php\">DJ\/Rupture<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/riddimmethod.net\/\">The Riddim Method<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/wayneandwax.blogspot.com\/\">Wayne &#038; Wax<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/gutterbreakz.blogspot.com\/\">Gutterbreakz<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.kidkameleon.com\/\">Kid Kameleon<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/djripley.blogspot.com\/\">Ripley<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/crucial-systems.com\/\">Timeblind<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andreas Hartmann bemerkt in seinem Text \u00fcber das Buch &#8220;Popjournalismus&#8221; von Bonz\/B\u00fcscher\/Springer ganz richtig, dass &#8220;&#8230;die Selbstbeob\u00adachtung, auch die Definition davon, was Popjournalismus \u00fcberhaupt sein k\u00f6nnte, [&#8230;] von den Jungs beinahe vollst\u00e4ndig unter sich&#8221; ausgemacht wird, und weiter:<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-37","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-humpeln"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.scrupeda.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}