Fast Zivilgesellschaft

Es ist schön, eine vierstellige Anzahl von Menschen jubeln zu hören, wenn Michel Friedman ruft, dass sich Juden nie wieder einfach so abschlachten lassen werden, egal wie überprofessionell die Rede gewesen sein mag. Es ist völlig angemessen, dass die Menge nur zum geringsten Teil aus offensichtlich Linksradikalen bestand, und zum größten aus normalen Bürgern aller Altersstufen, jüdischen und nichtjüdischen. Aber es war auch gut und notwendig, dass Thomas von der Osten-Sacken ihnen allen nochmal klar gemacht hat, dass sie in diesem Land nicht Träger der Mehrheitsmeinung sind, und dass zu diesem Anlass eigentlich nicht tausende, sondern zehn- oder hundertausende auf der Straße sein sollten; dass das eben keine normalen deutschen Bürger waren, dass deutsche “Zivilgesellschaft” wirklich was ganz anderes ist.

Der Demoauruf, von der Osten-Sackens Rede, Bilder und Berichterstattung über die Berichterstattung.

5 Responses to “Fast Zivilgesellschaft”

  1. antifa Says:

    Deutsch aus allen Gauen jubeln Euch also schon zu, nur zu wenige sind es noch. Dass die Deutschen nur deshalb kommen, weil sie die Vorstellung geil finden, wi Moslems massenhaft abgeschlachtet werden, kommt Dir natürlich nicht in den Sinn…

  2. israelsoli bündnis berlin Says:

    hast recht es müssten sich eigentlich zehn-tausende oder hunderttausende mit israel solidarisieren.
    damit das auch klappt pack doch den aufruf und das banner für die israelsolidarische demonstration am 06.08.06 in berlin hier in deinen blog (findeste beides auf der webseite), bitte. und verbreite es anderweitig weiter wenn du lust hast.

    demomotto: “für israel: gegen antizionismus und antisemitismus”,
    06.08.06, 17.00, hackescher markt, berlin

    wir möchten nämlich das da neben bürgerlichen menschen auch ein paar israelsolidarische linksradikale / antideutsch-kommunistische menschen kommen und das ganze richtig groß wird.

    thx solidarität mit israel

  3. bigmouth Says:

    @antifa: realitätsverlust macht spaß, oder?

  4. harry hirsch Says:

    “Überprofessionell” – ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Einschätzung teilen möchte im direkten Vergleich auf der Demo zwischen 2 doch höchst unterschiedlichen Präsentationsformen.
    Die eine, klassisch linksdeutsch: man schreibt zu Hause ellenlange, verquastete Texte und liest diese auf der Demo vom Blatt ab (über quäkende Lautsprecher, aber gut, Technikprobleme können auftreten). Den Unterschied zwischen gesprochenem und geschriebenem Wort erfasst man nicht, Hauptsache die Texte sind lange mit kompliziertem Vokabular und in eintönigem Tonfall vorgetragen.
    Das Ganze mit der Drohung verbunden: “Jetzt folgen 3 Redebeiträge”. Und lässt sich nicht davon irritieren, dass das Glockengeläut der Kirche nebenan einsetzt und alles übertönt, sondern liest brav seinen Text weiter. Kein Wunder, dass die Demo dann nur eins wollte – nichts wie schnell weg. Ohne den Lautsprecherwagen. Insofern höre ich mir dann doch lieber Reden von Menschen an, die “Rhetorik” nicht für eine bourgeois-ideologische Verblendung halten.
    Die andere Form der Rede, wenigstens im 21. Jahrhundert angekommen.

  5. scrupeda Says:

    Der Teil steht ja auch im Konjunktiv – die Rede war eben sehr geschliffen, aber ich fand das nicht schlimm. Manch andere aber schon. Und immer, wenn ich am Lautiwagen vorbeigelaufen bin, habe ich mich darüber gefreut, was da raus kam, ich war aber auch selten in de Nähe.

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