Selbtsmordattentäter ohne Attentat & die deutsche Liebe zum Staat

Michael Taussig sinniert in Walter Benjamin’s Grave darüber, ob Benjamin denn der erste ‘suicide bomber’ gewesen sei. Er verschwendet keinen Gedanken daran, dass diese eben deswegen ‘suicide bomber’ genannt werden, weil sie danach streben, nicht nur sich, sondern möglichst viele andere Menschen umzubringen, ja weil sie sich durch die Verwendung von Sprengstoff eben wirklich zu menschlichen Bomben machen. Aber wenn Selbstmord reichte, um ein (palästinensischer) Selbstmordattentäter zu sein, dann wäre Benjamin nicht der erste. Also macht Taussig einen neuen Vergleich auf: Die Gemeinsamkeit Benjamins mit den Palästinensern liege darin, dass sie zum Verlieren bestimmt gewesen seien.

Like Benjamin they are fated to lose.

So schnell kann einem die Lust an einem Buch vergehen, dass mit Abschnitten wie diesen fast wilson’sches Vergnügen erhoffen lies:

We strip the unknown of all that is strange. We show it who’s boss, the basic rule of a university seminar. We tolerate neither ambiguity nor that which won’t conform. The second and even greater misfortune is that we thereby forget how strange is the known.

Nicht minder erstaunte mich heute eine Glosse im aktuellen Ex Berliner, in der Konrad Werner versucht, Amerikanern und Briten das Verhältnis der Deutschen zum Staat zu erklären:

The thing is, you don’t have the idealism about the state that we have. We might be just as suspicious of our politicians as you, but we treasure and idealise the state keeping control of our lives. There is enormous security in the German system that has taken us a couple of centuries to develop. This security brings peace.

Als Beschreibung dieses Aspekts der deutschen Ideologie ist das ja gar nicht falsch, aber der Mensch scheint das nicht nur zu glauben sondern auch noch gut zu finden. Brrr.

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