Die Arbeit, das Glück und das virtuelle Sommerloch

Obwohl ich diesen Sampler wirklich gerne hätte (und ja, ich meine an der Stelle ausnahmsweise wirklich das verkaufte Objekt mit Cover, Booklet und allem), schreckt mich dieses Gespräch mit Holm Friebe und Anton Landgraf über die ‘digitale Bohème’ in der Jungle World mal wieder davon ab, den Abozettel auszufüllen (ich konnte noch nie ein Abo abbestellen, weil ich noch nie eins hatte). Weil, das ist sie einfach nicht, die Subversion:

Holm Friebe:… ich glaube, dass von der digitalen Bohème auch eine subversive Wirkung ausgeht. Selbst wenn nicht alles eitel Sonnenschein ist, sind die Leute zufriedener. Und dadurch, dass es einem sichtlich besser geht, provoziert man jene, die noch in den Konzernen sitzen und im Rattenrennen mitmachen. Man bringt sie dazu, dass sie sich fragen: Woher kommt dieses breite Grinsen?

Im besten Fall belanglos, wird hier gequirlte Scheisse wie diese schlicht durchgewunken:

Es gibt Schnittstellen zum Kapitalismus, weil die Konzerne auf viele Dinge angewiesen sind, die in diesen Bereichen produziert werden. Das sind Produkte, die Konzerne nur schlecht herstellen können, weil sie ein gewisses hedonistisches und respektloses Selbstverständnis benötigen.

Der Kapitalismus sind also nur die großen Konzerne. Schon klar. Einfache Warenproduktion 2.0 sozusagen.

Andererseits steht eine Seite vorher eigentlich schon der Kommentar dazu: Schön und jung und stark – Wie jede Schicht, die einen materiellen Niedergang erfährt, schwanken die Kopfarbeiter zwischen Rebellion und Reaktion. Hierzulande überwiegt derzeit die Reaktion.

Pluralismus ist eben echt so ne Sache. Andreas Hartmann ist aber schlicht schlecht wie eh und jeh, wenn er sich unter anderem freut, dass der neue James Bond wieder ein richtiger Kerl ist und über die Kritik an ‘Borat’ kumpelhaft verkündet:

Wir wollen das alles nicht mehr hören und nicht mehr darüber sprechen. »Borat« ist die lustigste Komödie seit Jahren und völlig verdient so erfolgreich, und basta. Wer das anders sieht, hat ganz einfach Unrecht.

Das alles erinnert mich daran, dass Annalee Newitz zuletzt in einer Kolumne über Glücksforschung (die gerne herausfindet, dass Geld nicht glücklich macht), ein Detail erwähnte, dass in der deutschen populärwissenschaftlichen Berichterstattung darüber kaum vorkommt:

The only time people’s subjective well-being rises as a result of cash is when the money takes them out of poverty.

Und ja, ich schreibe über diese Dinge vor allem, weil in meinem Kopf gerade Sommerloch ist…

One Response to “Die Arbeit, das Glück und das virtuelle Sommerloch”

  1. JimBob Says:

    Oh ja, wie wahr. “Einfache Warenproduktion 2.0”, das passt. Werde ich mir merken.

Leave a Reply