The Medium Is The Mess #1

Da ich auf absehbare Zeit nicht die Ruhe haben werde, die ganze Testcard #15 mit dem bezaubernden Titel auf einmal zu besprechen, folgen hier nur die ersten bits’n’pieces. In Inhaltsverzeichnisordnung, in Auslassung meiner eigenen Beiträge.

(Nicht verwirren lassen, wenn euer browser der Meinung ist, der Link führe zu #14:Discover America. Fehler im Code, nicht im Inhalt.)(Ja, das Editorial ist ein wenig flach. Bitte keine voreiligen Schlüsse.)

Roger Behrens: Galaxy Quest. Ein Versuch zur kritischen Theorie der Netzwelt.

Behrens refferiert über McLuhans Medientheorie und deren Einteilung der Menschheitsgeschichte in vier Epochen:

  • die “Welt des Ohres”
  • die “Manuskriptkultur”
  • die “Gutenberggalaxis” und
  • das “Zeitalter der Elektrizität”

Weiter geht es kurz um die Entwicklung dieser Medientheorie nach McLuhans Tod 1980, bis dann unter der Überschrift “Das Zeitalter der Angst” der eigentliche Spaß anfängt: Behrens zeichnet die Geschichte dieses Begriffes nach, seine Bedeutung bei Leonard Bernstein, der sich mit einer Sinfonie dieses Namens 1949 (bevor McLuhan ihn verwendete) auf den Holocaust bezog, und grenzt McLuhans von Heidegger bezogenes Verständnis eines ontologiesierten Begriffs der Angst davon ab:

In der Welt der Technik gehört Angst zum Dasein des Menschen, unabhängig von konkreten politischen, sozialen oder ökonomischen Bedrohungen. Die Angst gehört hierbei, um mit Heidegger zu sprechen, zur Geworfenheit des Seins.

Als zweite wichtige Quelle von McLuhan beschreibt Behrens Karl Popper, weist auf die Gemeinsamkeit von Popper/Heidegger hin, “die bestehende Welt rücksichtslos [zu] verteidigen” und kontrastiert das mit der kritischen Theorie, Aussagen Adornos, Horkheimers und Marcuses zur Signifikanz von Computern, technologischer Rationalität etc. liefert eine vorläufige Zusammenfassung:

McLuhans Medientheorie interpretiert die Gesellschaftsstruktur als Effekt der Medienentwicklung; kritischen Theorie sieht die Medien als “Ausdruckszusammenhang” (Benjamin) der Gesellschaft…

Der (erhebliche) Rest des Textes beschäftigt sich mit der Bedeutung der Sprachphilosophie für die Medientheorie, McLuhans Metaphern und deren Schwächen, der Frage, inwiefern Medientheorie nicht auch Medienkritik sei,

Medientheorie geht es primär nicht um materielle Verhältnisse, sondern eben das um das Mediale, das Vermittelnde solcher Verhältnisse; oder um die Logik des Mediums an sich, um eine Ontologie der Vermittlung.

und deutet an, was in der Medientheorie alles nicht vorkommt.

Insgesamt eine sehr schöne, erhellend gründliche Abwatsche.

Diverse: “Die Archäologen der Zukunft haben einen ziemlichen Scheiss-Job.” Statements aus “Become The Media”

Vier Seiten lose Zitatsammlung zum Thema “Medien”, unterschiedlich gut/anregend/überflüssig. Liebling:

Es wird eine neue Technologie entwickelt. Ein Amerikaner, ein Japaner und ein Deutscher – … – werden dazu befragt. Der Amerikaner sagt: “Perfekt, das kan man für die Rüstungsindustrie und für Blockbuster-Produktionen verwenden”. Der Japaner will gleich die Bauanleitungen sehen, um es effizienter und kleiner zu machen. Und der Deutsche rennt manisch rum und schreit: “Es bringt uns alle um! Es bringt uns alle um!”

Thomas Venker: Radio Gaga. Überlegungen und Meinungen zum Status quo der Radiokultur in diesem Land.

Thomas Venker schreibt relativ platt über die Situation dessen, was er als wertvolle Radiomusikberichterstattung bzw. –Sendung betrachtet. Es geht also um Geschichte und Zustand bestimmter Sendungen, das Feindbild ist selbstverständlich der “Charts–Mainstream von der Stange” und das Fazit:

Die Konsequenz der letzten Jahre: Die interessanten Radiosendungen kann man mittlerweile an zwei Händen aufzählen.

und:

Es zeigt sich, wie wichtig das Schreiben über Popmusik ist. Das geschriebene Wort ist noch immer oft der erste und einzige Kontakt mit tollen, weniger bekannten Künstlern.

Trotz dieser recht beliebigen Einteilung in Indie/Mainstream = gut/schlecht und der Wirgefühltühmelei in der natürlich nicht weiter erklärt werden muss, was “interessante” Radiosendungen sind ist der Text wahrscheinlich für Radiohörer als Wegweiser ganz brauchbar. Mir ist es leider unmöglich Venker zu folgen, wenn er sich als Chefredakteur einer Musikzeitschrift, die mir seit Jahren kaum mehr ein Gähnen entlockt, seine eigene Notwendigkeit herbeischreibt.
Für mich sind “tolle Künstler” halt doch zu einem großen Teil andere.

Clemens Beier:
Radio Days. Alternative Musikvermittlung im Nicht-Kommerziellen Lokalradio.

Etwas speziellere Variante des Themas, für mich als weder Radiohörerin noch –Macherin relativ uninteressant, das mag engagierteren Menschen durchaus weiter helfen. Auch hier wird das Gute, in diesem Fall die “Gegenöffentlichkeit”, die es zu bieten gilt, mitsamt ihren “(idealen) Kriterien” für ein Radio, das genau dies tun möchte, nicht weiter erklärt, obwohl doch gerade dieser Begriff in Zeiten, in denen längst das “selber Produzieren” von Inhalten, sozusagen Grassroots für die Massen, in Form von blogging–services und photohostern wie flickr, und all dem anderen was sich sonst noch web 2.0 schimpft, erfolgreich vermarktet wird bzw. der so unbezahlt produzierte Inhalt zu Geld gemacht wird, zumindest problematisiert werden sollte. Das selbe gilt für den hier idealisierend verwendeten Begriff der “alternativen Musikkultur” in Bezug auf Phänomene wie myspace.com .

Soweit für heute.

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