The Medium Is The Mess #2

Zur Testcard#15, zweiter Teil

Klaus Walter: Dylan on Air. Im Gespräch mit Greil Marcus.

In diesem Text geht es um einige Aspekte von Pop(industrie) heute und die Bedeutung des Radios für Pop, kristallisiert an Bob Dylans “Like a Rolling Stone”, Eminem und den Pet Shop Boys. Marcus hat immer irgendetwas zumindest interessantes zu sagen; mein Herz schmilzt dahin wenn jemand seine schiere Begeisterung für Musik so gut in Worte fassen kann. Dazu noch Kunde von anderen Planeten:

Wann immer du das Radio eingeschaltet hast, hörtest du etwas, worauf du nicht vorbereitet warst, etwas, das du nicht erwartet hattest.


Martin Büsser: Sprotten im Haifischbecken. Zur Situation unabhängiger Plattenläden, Mailorder und Vertriebe.

Informationen über die Echtwelt; wie es da draußen eigentlich aussieht. Ein wenig schade ist es um die enge Auswahl, es dreht sich hauptsächlich um:

Ich hätte mich über einen “Indie”-Betrieb weniger und/oder einen explizit elektronischen mehr gefreut, aber wahrscheinlich gelten letztere als sowieso nur für DJs relevant und fallen schon dadurch durchs Raster. Man kann vermuten, dass die Situation sich in anderen Musiksparten anders darstellt (wobei a-Musik sich auf großartige Art und Weise den allermeisten Klassifizierungen entzieht). Aber um dieses Fazit:

So lange es für gewisse Tonträger gar keine Öffentlichkeit mehr gibt und so lange gewisse Tonträger aufgrund fehlender Öffentlichkeit in einer Auflage erscheinen, die an dern Rand der Nichtexistenz geht, wäre es Augenwischerei, von einem Siegeszug der Nischen zu sprechen.

wirklich ziehen zu können, wäre ein etwas weiterer Blick doch angebracht gewesen. So bleibt im wesentlichen offen, was für Platten denn diese “gewissen” sein sollen, was bei mir wie die selbstverständliche Setzung von “Charts-Mainstream” als Feind bei Thomas Venker ein ungutes Gefühl hinterlässt. Es würde sich vielleicht lohnen, verschiedenen Nischen miteinander zu vergleichen, statt einfach die persönliche Sympathie als Auswahlkriterium zu benutzen. Wenn so ein umfassendes Fazit denn unbedingt sein muss.

Jochen Kleinhenz: Andere Zeiten, andere Labels.

Kleinhenz refferiert die Basics über legale Musicdownloads, verweist auf die Geschichte des Wortes “Label” selbst (das ursprünglich wesentlich wörtlicher verstanden wurde, und erst später die gesamte Firma meinte), erwähnt verschiedene individuelle Netlabels und zeichnet einige Aspekte auch der technischen Entwicklung der Popmusikindustrie der letzten 20-30 Jahre nach. Für die meisten Netz-Menschen werden das alles keine großen Neuigkeiten mehr sein, für die da draußen wohl schon. Aber auch hier gibt es Stellen, da kringeln sich mir die Fußnägel; Kleinhenz nimmt es sich z.B. wirklich und tatsächlich heraus zu behaupten, man müsse den Pauschalisierungen der Musikindustrie in Bezug auf illegale Tauschbörsen nicht in jedem Fall folgen (wobei der im Text erweckte Eindruck, dass das Tauschen in kostenlosen Tauschbörsen per se illegal sei, schlicht falsch ist). Ausgerechnet die

abenteuerlustigeren, neugierigeren und aufgeschlosseneren Surfer suchen allerdings nach legalen Angeboten, von denen es weit mehr gibt.

Da wäre mir doch fast ein LOL entwichen. Dass Aktivisten wie Lawrence Lessig für ein Urheberrecht kämpfen,

das eben nicht auf kapitalistische Verwertungslogik, sondern auf Kreativität zugeschnitten ist

erscheint mir als ein recht naives Verständnis eben dieser Bestrebungen: all diese Projekte versuchen weniger, die “kapitalistische Verwertungslogik” abzuschaffen oder gar aufzuheben, sondern vielmehr, die Spielregeln dieser Verwertung im Detail zu verändern. Man kann das als einen Verteilungskampf zwischen Künstlern, Plattenfirmen und Hörern verstehen. Nur dass Produkte menschlicher Arbeit, wie z.B. unter der GPL, umsonst und frei einseh-/weiterentwickelbar abgegeben werden, heißt eben nicht, dass keine Verwertung mehr statt findet. Sie funktioniert nur anders. Der Rest des Satzes klingt wie eine schlecht bei Lessig abgeschriebene Phrase.

Zurück zur Musik:

Dass vieles musikalische Material zu gleichförmig daher kommt und kaum noch jemand zuschauen mag, wenn ein Laptop “live” gespielt wird, kann nicht zuletzt am derzeitigen Revival der in echter Handarbeit gespielten Instrumentenmusik (mit Gesang) abgelesen werden.

Das vielseitige, neuartige, spannende musikalische Material der aktuell erfolgreichen Gitarrenbands.

Sometimes I want to force Adorno down some people’s throats. Damn it.

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