Kulturindustrie 1: Musik von anderen Planeten und das Entspannen in Deutschland

Über ‘I Can’t Relax In Deutschland’ und eine Rede von Herbert Marcuse

Marcuse schreibt in dem als ‘Musik von anderen Planeten’ veröffentlichten Skript einer Rede vor Absolventen des New England Conservatory of Music von 1968 über die Rolle und spezifischen Eigenschaften von Musik als Kunst, über den Klassencharakter der klassischen und die Besonderheiten der “schwarzen Musik”. Der Text ist eine Ansprache an ein sehr spezifisches Publikum und versucht weniger eine Analyse, als den Adressaten eine bestimmte Botschaft zu übermitteln und sie dazu aufzufordern, in dem ausgebreiteten Spannungsfeld Position zu beziehen. Warum man ausgerechnet diesen Text zu Rate ziehen würde, um die ‘popkulturelle’ oder sonstige Funktion von Musik in Deutschland und anderswo zu verstehen, geht mir gerade nicht auf. Aber erstmal die Einzelheiten:

Der Einleitungstext zum Sampler vom ‘Vorbereitungskreis’ ist eine nette, den Umständen entsprechend kurze und gut verständliche Einführung in die Frage, warum Deutschland scheisse ist und man sich hier erst recht nicht entspannen sollte, wenn über ein angeblich notwendiges oder sonstwie anstehendes Zurück zu einer unbelasteten nationalen Normalität rhabarbert wird, und analysiert vor diesem Hintergrund die aktuellen Bemühungen ‘authentischer’ ‘deutscher’ Popmusik durch Deutschquoten und ähnliches den Rücken zu stärken:

Von Yvonne Catterfield, Smudo (Die Fantastischen Vier), über Joachim Witt und Xavier Naidoo, bis hin zu den Abgeordneten des Bundestages oder gar dem NPD-Blatt “Deutsche Stimme” war man sich über den Quell der Bedrohung einig. Das “dominante anglo-amerikanische Repertoire” (Wolfgang Thierse, SPD) immer “weniger weltumspannende(r) Firmen” (Antje Vollmer, Die Grünen), also die “Allmacht des amerikanischen Kulturimperialismus” (ebd.) zerstöre das kulturelle Fundament des deutschen Wertesystems.

(Wenn es doch bloß so wäre!)

Doch “nicht allein die Vermarktung von Pop unter dem beschriebenen Label ‘deutsch'” sei das Problem, sondern vielmehr, dass diese “Beschwörung einer nationalen-kulturellen und somit gesellschaftlichen Identität” funktioniere. Ein Popsong wie “Wir sind wir” ist eben völlig egal, solange sich keiner angesprochen fühlt.

Der darauf folgende Sinistra!-Text mit dem Titel ‘Nation – Was soll der Unsinn?’ ist eine theoretische Vertiefung, geht weiter auf die Spezifika der deutschen Nation ein und stellt das Wertverhältnis vor, denn:

Der Kapitalismus besteht nicht aus einem personalen Herrschaftsverhältnis zwischen Kapitalistin und Arbeiterin, sondern aus einer Grundstruktur, der jede Einzelne gegenüber tritt, dem Wertverhältnis.

Auch das darf gerne mal gesagt werden, der ‘lieben Zielgruppe’ sowieso, deutet aber bereits die Schwäche von diesem Text an; so erholsam ich es finde, wenn der femininen Form der Vorzug vor der maskulinen gegeben wird, denke ich doch, dass beim Schreiben das, worüber geschrieben wird, auch ein Wörtchen mitzureden hat. An dieser Stelle von Kapitalistinnen und Arbeiterinnen zu schreiben erscheint mir ein wenig unpassend, haben wir es doch in den letzten zweihundert Jahren ganz überwiegend mit Männern auf beiden Seiten zu tun gehabt, und bildet die Hausfrauenschaft doch immernoch eine Art ‘Fluchtmöglichkeit’ für Frauen vor dem direkten, ungeschminkten Verkauf ihrer Arbeitskraft. Inhaltlich geht der Text aber größtenteils auch klar, es ist nur schade wegen des unnötig hohen Anteils an Jargon und der komplizierten Beschreibung von teilweise recht simplen Sachverhalten. Aber vielleicht kann er/sie/es auch gar nicht mehr anders, wenn er/sie/es sich erstmal an so eine Schreibe gewöhnt hat.

Martin Büsser legt den Schwerpunkt in Deutsche Kulturbewahrer wieder mehr auf die (Pop)Kultur(Industrie) selbst, und bezieht sich dabei von Anfang an stark auf die kritische Theorie. Er skizziert die Entstehung des wiederum spezifisch deutschen elitären Kulturbegriffs, im Kontrast zu dem wesentlich allgemeineren angelsächsischen (weshalb auch nur dort die Cultural Studies entstehen konnten) und schließt:

Die von den Nazis angestrebte Durchdringung aller Lebensbereiche mit “deutscher Kultur” weitete den elitären Kulturbegriff auf die Volks- und Massenkultur aus, blieb also weiterhin elitär, weil auf mörderische Weise ausgrenzend: Teilhabe an Kultur, ja Besitz von Kultur wurde ausschließlich rassisch definiert. Wo Kultur als Primat aufgefasst wird, losgelöst von Zivilisation als Bekenntnis zur Freiheit Aller und zur Verbesserung allgemeiner Lebensbedingungen, kann sie jederzeit zur Durchsetzung elitärer Interessen missbraucht werden, ganz gleich, ob sich diese Elite nun als Stand, Volk oder Nation definiert.

Allerdings kann ich ihm nicht an allen Stellen ganz folgen, so zum Beispiel wenn er Georg Steiner unter anderem mit den Worten zititert:

Die Gegenkultur ist sich genau darüber im klaren, wo sie mit ihrem Zerstörungswerk anzusetzen hat. Das grelle Illiteratentum allen Mauergekritzels, das hartnäckige Schweigen der Jugendlichen, das Nonsens-Geschrei der Bühnen-Happening [sic] – sie alle sind Teil einer resoluten Strategie. Der Aufrührer und der Freak-Out haben das Gespräch mit einem kulturellen System abgebrochen, das sie verachten als einen grausamen, antiquierten Betrug. […] Akzeptiere auch nur für einen Moment die Konventionen gebildeten Wortaustausches, und du bist gefangen im Netz der alten Werte und damit einer Grammatik der Leutseligkeit oder Versklavung.

Diese Stelle, die dem Hinweis darauf folgt, dass es keinerlei Grund gibt zu glauben, die Nazis seien weniger kultiviert, feinfühlig oder kunstsinnig gewesen als andere Menschen, bleibt relativ unkommentiert stehen und es geht weiter mit der Frage, “inwieweit Kultur innerhalb des Kapitalismus als Kultur überhaupt antikapitalistisch funktionieren kann” und dem Bezug auf Marcuses Begriff der ‘repressiven Toleranz’. Weder gegen die Frage noch gegen den Begriff habe ich etwas einzuwenden, aber zurück zu dem Zitat von Steiner: Die Annahme einer resoluten Strategie finde ich absurd – Strategie wozu? Mit welchem Ziel? Es gibt wahrlich genug Aufrührer und Freak-Outs, die anscheinend eine tatsächlich relativ resolute Strategie verfolgt haben, um in diesem kulturellen System zu Ansehen zu kommen.
Das, was mich an dieser Stelle so gruselt ist aber etwas anderes: Die Annahme, dass, weil die allgemeinen Formen der Vermittlung verseucht sind, nur eine vollständige Verweigerung der Vermittlung noch in Frage kommt und möglicherweise sogar einen Ausweg darstellt. Aber zum Alpha-Männchen spielen braucht man keine großen Worte, und was davon besser wird, wenn man(n) sich keine Mühe mehr gibt, ganze Sätze zu bilden, ist mir ein Rätsel. Die schweigenden Jugendlichen von damals wußten eben nicht wirklich etwas anderes mit sich anzufangen, und das Mauergekritzel von heute (so groß meine Liebe zu tanzenden Buchstaben auch ist) reproduziert doch hauptsächlich ausgeleierte Statusspielchen in einem neuen Medium (Graffiti) oder lässt die Stadt ein wenig weniger langweilig aussehen und ist dabei von Werbung gar nicht so grundsätzlich verschieden (Street Art). Das Begreifen der Situation, in der man selbst oder die Welt oder was auch immer sich befindet, die Reflexion also, ist eben immernoch an diese, wenn auch verseuchten, alten Formen der Vermittlung, allen voran die Sprache, gebunden. Eine neue Sprache, viele neue Sprachen wären möglicherweise ein Ziel, aber nicht die simple Abschaffung einer bestimmten Form.

Exkurs: Marcuse und die Befreiung

Der Titel des nächsten Textes, der zitiert wird, ist extrem catchy und hat mich auch wegen der Thematik dazu veranlasst, ihn mir aus der Bibliothek zu holen und selbst einen Blick drauf zu werfen: Marcuses Vortrag Musik von anderen Planeten (1968). Es geht um (‘schwarze’) Musik und die Rolle des Körpers, des Tanzens in ihrer Rezeption; M. Büsser fast zusammen:

Im Gegensatz zur Lohnarbeit bewegt sich der Körper hier aus freien Stücken heraus, ohne einem erkennbaren ökonomischen Zweck zu dienen und wird sich so über die zweckfreie Bewegung des Unterdrücktseins bewußt. Marcuses Plädoyer für eine ‘andere’ Kultur meint also nicht unreflektiert triebhafte Entfesselung, sondern eine Erfahrung, die bereits eine Ahnung von der befreiten Gesellschaft geben kann.
Es ist genau diese Erfahrung, die viele Deutsche nach dem zweiten Weltkrieg so fürchteten, als anlässlich von Jazz und Rock’n’Roll abermals von ‘Negermusik’ die Rede war.

‘Ahnung von einer befreiten Gesellschaft’ klingt gut, und ich tendiere immer wieder dazu, es zu glauben. Kleinere Worte scheinen auch mir das Glück am Tanzen nicht wirklich zu erklären. Ich bin mir nur nicht so sicher. Und der nämliche Text erweist mir in der Frage einen schlechten Dienst:
Marcuse beginnt, indem er darlegt, dass er ja eigentlich von Musik gar nich so wirklich Ahnung habe, von Adorno allerdings in die neue Musik eingeführt worden sei und Musik “im Gefolge von Hegel und Schopenhauer’ interpretiere. Und ab da gehen die Plattitüden los. Musik beschwöre eine “mögliche, eine notwendige Zukunft, für die wir arbeiten müssen”. Für Hegel sei Musik

Ausdruck innersten menschlichen Seins, befreit von allen äußeren Vermittlungen, allen materiellen Gegebenheiten und räumlichen Begrenzungen.

Und für Schopenhauer

Musik der einzige freie und unmittelbare Ausdruck des Willens […], jener Kraft, die das Universum als Lebenswille, Lebenstrieb trägt.

So ist für Schopenhauer die Musik in einzigartiger Weise frei: befreit von den falschen, repressiven, trügerischen Worten, Bildern und Werten der falschen, repressiven, trügerischen menschlichen Existenz.

Ich verstehe nicht, was diese Sätze grundsätzlich von irgendeinem beliebigen Esoterik-Schmarrn unterscheidet. Ich mag einer Analyse kaum folgen, die auf diesen Annahmen basiert. Und nein, Beethovens Musik ist eben nicht der Ausdruck reinster Subjektivität (der ist für die Musikwissenschaftler), genauso wenig wie die menschliche Existenz selbst “falsch” ist.
Die von Büsser zitierte Stelle steht kurz vor der Schlussbemerkung, in der von der neuen Musik die Rede ist:

[…] eine Kunst, die eine ganze Generation weltweit dazu bringt, zu singen, zu tanzen und zu marschieren, ohne einer Militärkapelle oder einem Rattenfänger zu folgen. Diese Generation folgt nur sich selbst und der Melodie ihres Körpers und Geistes.

Auch wenn ‘to march’ im Englischen eine leicht andere Bedeutung hat, als ‘marschieren’ im Deutschen erscheint diese Verherrlichung der damaligen Jugend heute bitter entlarvt, bzw. Marcuse hatte mit folgender Feststellung leider auf ganz andere Art und Weise Recht, als er wahrscheinlich vermutet hat:

Es geht um eine neue Produktionsweise und neue Produktionsziele, einen neuen Menschentypus als Produzenten, das Ende der Rollenspiele, der herkömmlichen Arbeitsteilung, der Trennung von Arbeit und Freizeit

Nach einem kurzen Blick in den nächsten Text im selben Band, den Vortrag Kunst als Form der Wirklichkeit, stellt sich aber schon wieder die Frage, ob es nicht doch eher ganz gut so ist, wenn Marcuse doch 1969 meinte, wirklich seien “die Ghettos und ihre Anführer, wirklich” seien “die Kräfte der Befreiung weltweit, im Osten wie im Westen, in der Ersten, Zweiten und Dritten Welt; wirklich” seien “Castro und Che Guevara”.

Freilich hat das alles mit Büssers Text wenig zu tun. Der behauptet zwar:

Marcuses Plädoyer für eine “andere” Kultur meint also nicht unreflektiert triebhafte Entfesselung, sondern eine Erfahrung, die bereits eine Ahnung von der befreiten Gesellschaft geben kann.

Aber aus welcher Stelle im Text er das herausliest bzw. ob er an der Stelle nicht schlicht Marcuses Verklärungen aufsitzt bleibt unklar.

Roger Behrens’ Das Prinzip Kollektivstolz*** – Warum gerade jetzt und überhaupt popkultureller Bezug auf die Nation? versucht,

die spezifischen politischen und historischen Bedingungen, unter denen heute Nationalismus, Popgesellschaft und Kapitalismus zu einem Block verschmelzen

in den Blick zu nehmen. Dabei kommen teilweise nette Quotes heraus, z.B. das von der Popkultur in Deutschland als Angestelltenkultur,

in der Kritik der Verhältnisse nicht vom Standpunkt der Produktion formuliert wird, sondern vom Standpunkt der Reproduktion, also letzthin als kleinbürgerliche Beschwerde, im irgendetwas betrogen worden zu sein, was einem zusteht.

Wirklich viel neues findet man in dem Text nicht, aber in so einem kleinen Aufklärungsbüchlein muss das ja auch nicht sein. Die illustration gut abgehangener Konzepte mit aktuellen Beispielen ist durchaus gelungen, nur manchmal beschleicht mich der Eindruck des Worthülsenverschleißes, so z.B. wenn er nicht nur von der Poplinken, sonder auch dem Wandel der ‘Berliner Republik’ zu ‘Popnation’ und der ‘popdemokratischen Toleranz’ spricht, auch wenn das Beispiel für letztere wiederum gut gewählt ist: So gehöre es nämlich heute zu jener popdemokratischen Toleranz,

auch bei den Bösen Onkelz abzuwägen, ebenso wie es zum Respekt der Konformisten gehört, auch Rammstein differenziert zu hören.

Die darauf folgende Stelle deutet eine der zentralen Differenzen der Herangehensweise an Popmusik von Kritischer Theorie/Adorno und der der Cultural Studies an:

Popmusik heute das Recht auf Interpretation einzuräumen, was ja immerhin unterstellt, dass es überhaupt etwas zu interpretieren gibt (dass es also nicht nur eine Bedeutung gibt, sondern sogar einen möglichen Bedeutungsspielraum), ist ein für die Konstitution der Popgesellschaft Ender der neunziger Jahre maßgebliches Phänomen. Und zentral für Mia.s “Mut”, Deutschland und vor allem dem eigenen Deutsch-Sein Respekt zu zollen.

Problematisch erscheint mir die Selbstverständlichkeit der Verwendung des Begriffs von der “kritischen Popkultur” – wahrscheinlich tobten hier schon viele Diskussionen, die ich schlicht verpasst habe, aber eine kleine Erklärung was das eigentlich sein soll hätte vielleicht nich geschadet.

Alles in allem auch im Angesicht von Günther Jacobs berechtigter Kritik an dem Projekt eine gelungene Propagandaaktion. Möglicherweise aber doch eher wegen dem provozierten Entsetzen & den hasserfüllten Kommentaren mit denen ICRID überschüttet wurde als wegen dem eigentlichen Inhalt. Die Fratze kann sich gar nicht deutlich genug kenntlich machen.

7 Responses to “Kulturindustrie 1: Musik von anderen Planeten und das Entspannen in Deutschland”

  1. harry hirsch Says:

    Das Problem von dem Projekt ist doch, dass es sich hauptsächlich nur am “bösen” Nationalismus abarbeitet und dabei selbst mit der CD eine alternative, bessere Facette des Kulturdeutschlands entwirft, bei dem fast alle Bands sich von Goetheinstitut oder Bundeskulturstiftung oder German Sounds sponsoren lassen.

  2. kubia Says:

    Kann dir bei der Einschätzung von Marcuses Text nur zustimmen, fand den auch eher banal und sogar kurz vor der Grenze in den Rassismus rutschend. Die gefühlvolle, sensitive afro-amerikanische Bauchmusik ist schon ein ziemlich übles Klischee. Tobias Rapp hat in seiner Rezension das Problem des Samplers doch auch irgendwie auf den Punkt gebracht, als er feststellte, dass von den vertretenen Bands doch kaum eine ein internationales Pop-Idiom sprechen würde (von Mouse on Mars mal abgesehen). Stattdessen gibt es halt Jungsmusik aus politisch einigermaßen aufgeklärten deutschsprachigen Haushalten. Migranten, welcher Generation auch immer, treten schließlich auch bei ICRID nicht besonders in den Vordergrund.
    Aber ein schöner Text. Ist die neue Testcard lesenswert? War von den letzten beiden eher enttäuscht, bin deswegen grad ein wenig skeptisch.

  3. scrupeda Says:

    Inwieweit das Projekt als solches schon Schmarrn ist oder nicht, ist ja schon zur Genüge diskutiert worden. Ich habe mich weder für die CD (außer vielleicht ‘arme kleine deutsche’) noch für Realpolitik bisher wirklich erwärmen können, und ich finde den Versuch, diese ‘Neue Deutsche Popnation’ in einer historischen und theoretischen Perspektive zu erklären gar nicht so blöd. Das ganze interessiert mich schlicht nicht als politisches Projekt, es taugt eindeutig nicht für irgendwelche Freund-Feind-Zuschreibungen, es ist viel zu platt und deutsch. Wer das als den Versuch einer alternativen Wir-Konstruktion versteht muss es schrecklich finden. Mir erscheint ICRID eher durch die Hasstiraden, die es sonst so harmlosen netten Menschen entlocken konnte, gerechtfertigt.

    Es geht um negative Bestimmungen, nicht um positive.

    Die neue Testcard? – Nun, ich bin noch unschlüssig. Vielleicht kommt die Tage noch mehr dazu. Möglicherweise interessiere ich mich einfach zu wenig auf diesem Level für ‘Medientheorien’.

  4. And Says:

    “Migranten […] treten schließelich auch bei ICRID nicht besonders in den Vordergrund”

    Jacob setzte dem ja hinzu, auf dem “Ariersampler” würde „auf jeden Fall deutsch gesprochen“, was ein einfaches Anhören widerlegt hätte. Natürlich war jener Satz polemisch gemeint, deswegen sei auch auf das dahinter stehende Argument eingegangen, nämlich dass sich der „antinationale Kulturnationalismus“ des Samplers vor allem durch das Fehlen einer migrantischen Beteiligung auszeichnet. Nicht dass uns die Kritik dahingehend überrascht und natürlich wurde schon zu Beginn diesbezüglich innerhalb des Vorbereitungskreises heftig diskutiert. Das Problem bestand zum einen darin, Gruppen bzw. KünstlerInnen zu finden. An Anfragen hat es insgesamt dabei nicht gemangelt! An Bushido oder Xavier Naidoo weden besagte Kritikerinnen hoffentlich dabei nicht gedacht haben…

  5. kubia Says:

    Ne, glaube nicht, dass jemand an die beiden gedacht hat. Mich persönlich hat z.B. das Fehlen von Microphone Mafia überrascht. Inwieweit das jetzt nationalistisch ist, dazu will ich mich gar nicht äußern.

  6. Andie AmO.K. Says:

    du schreibst Graffitti (Street Art) sei “von Werbung gar nicht so grundsätzlich verschieden.” Es gibt jedoch einen entscheidenden unterschied: Werbung verweisst auf ein Produkt das gekauft werden soll. Sie verweist damit immer auf den abstrakten Tausch und die Warenförmigkeit der Gesellschaft selbst. Das Graffitti-Crews ihren Status erhöhn wolln ist wohl richtig und gehört zur Battle-Kultur im Hiphop. Dennoch verweist das tag immer nur auf eine anonymisierte Identität und entzieht sich der Verwertung. Es greift sogar die Eigentumsverhältnisse im urbanen (“öffentlichen”) Raum an. Werbung hingegen steht gerade für solche Eigentumsverhältnisse, müssen Werbeflächen doch teuer gemietet werden.

  7. scrupeda Says:

    Frei nach Adorno: Street Art macht eben, wie die meiste Kunst auch als nicht konkret kommerzielle Werbung. Nur eben für die gegenwärtige Realität, und nicht für ein spezifisches Produkt.

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